Washington/Kiew/Moskau – Hat US-Präsident Donald Trump (80) seine Haltung im Ukraine-Krieg grundlegend verändert? Im Kreml schrillen offenbar die Alarmglocken. Ausgerechnet Russlands Außenminister Sergej Lawrow (76) fordert von Washington nun Aufklärung – und will wissen, was beim G7-Gipfel im französischen Évian passiert ist.

„Wir wollen verstehen, was in Évian geschehen ist“, erklärte Lawrow. Auslöser sind Aussagen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron (48), wonach Trump nach den Gesprächen mit den G7-Partnern zu der Einschätzung gelangt sei, Russland wolle keinen Frieden in der Ukraine. Besonders nervös machen dürfte Moskau Macrons Behauptung, frühere Absprachen zwischen Trump und Putin seien in Évian endgültig 'beerdigt' worden. Putin hingegen hält weiter an diesen einseitigen Absprachen fest. Gleichzeitig versucht Lawrow, den Eindruck einer Kehrtwende herunterzuspielen: Berichte, Trump habe Kiew grünes Licht für härtere Angriffe auf Russland gegeben, seien bloßes „Wunschdenken“.

Überraschendes Lob für Selenskyj

Für besonderes Aufsehen sorgten Trumps jüngste Aussagen bei einem Treffen mit Nato-Generalsekretär Mark Rutte (59) im Weißen Haus. Ausgerechnet den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj (48) überhäufte Trump plötzlich mit Lob. Die Ukraine schlage sich „ziemlich gut“, sagte der US-Präsident. Selenskyj sei „mutig“, verfüge über „großartige Ausrüstung“ und habe „großartige Kämpfer“. Die Nato-Staaten kritisierte Trump hingegen stark. Noch vor gut einem Jahr hatte Trump auch Selenskyj öffentlich scharf attackiert – jetzt schlägt er überraschend ganz andere Töne an.

Washington sieht Ukraine im Vorteil

Auch aus der US-Regierung kommen inzwischen Aussagen, die Moskau aufschrecken dürften: Jeremy Lewin (Staatssekretär im US-Außenministerium) sprach zuletzt von einem „breiten Konsens“ zwischen Trump, Selenskyj und den europäischen Verbündeten. Die Ukraine gewinne den Krieg „im Moment“, sagte Levin. Inzwischen seien „bei gutem Wetter die Ukrainer auf dem Vormarsch“. Die Ukraine habe „die Dynamik verändert“, greife russische Energieinfrastruktur an – gleichzeitig verwies Levin auf die wieder eingeführten US-Sanktionen gegen russisches Öl. Ob Washington seinen Kurs dauerhaft ändert, bleibt abzuwarten. Doch die Botschaften aus dem Weißen Haus und der US-Regierung dürften im Kreml genau registriert werden.