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Neu-Isenburg (Hessen) – Sechsmal musste sie ein Kind gehen lassen. Sechsmal zerbrach ein Stück ihres Herzens. Stefanie Goldbrich (43) ist Mutter von acht Kindern, doch nur zwei von ihnen darf sie aufwachsen sehen. Fünf Babys verlor sie durch Fehlgeburten, ihr Sohn Dominik starb nur fünf Tage nach der Geburt.

Am 15. Oktober, dem Internationalen Tag der Sternenkinder, wird an Kinder erinnert, die viel zu früh gestorben sind. Für Stefanie ist Trauer kein Gefühl, das nur an einem bestimmten Tag zurückkehrt. „Kinder, die früh verstorben sind, werden jeden Tag vermisst. Sie fehlen einfach. Ich denke auch nicht nur an diesem einen Tag an Dominik. Aber dieser Gedenktag schafft Öffentlichkeit für betroffene Familien. Ihre Kinder sind im Alltag für viele Menschen unsichtbar und werden an diesem Tag sichtbar“, sagt Stefanie.

Komplikationen bei der Geburt

Dominik war ein absolutes Wunschkind. Nach mehreren Fehlgeburten wurde Stefanie erneut schwanger. „Als ich die magische zwölfte Woche überstanden hatte, dachten wir, jetzt wird alles gut. Und wir waren auch 40 Wochen unkompliziert und total glücklich schwanger.“

Doch kurz vor der Geburt wurde aus dem größten Glück die größte Angst. Es kam zu Komplikationen. Wie Stefanie später erfuhr, war die Nabelschnur nicht normal ausgebildet. Die Ärzte machten einen Notkaiserschnitt. Fünf Tage lang hofften und bangten die Eltern. Als es zunächst so aussah, als könnte Dominik überleben, verschlechterte sich sein Zustand erneut dramatisch.

Dann kamen die Worte, die keine Mutter jemals hören möchte: „Jetzt können wir Ihren Sohn nicht mehr retten.“ Stefanie und ihr Mann blieben bei ihrem Baby, bis sein kleines Herz aufhörte zu schlagen. „Für mich tröstlich ist, dass ich diese zwei kostbarsten Momente in meinem Leben mit ihm verbringen durfte. Ich war bei der Geburt dabei. Und ich war auch bei seinem Tod dabei“, sagt Stefanie.

Trauer folgt keinem Zeitplan

Das Nachhausekommen war schwer. „Es war alles vorbereitet: Wickelkommode, Wiege, Zimmer. Aber wir kamen ohne Kind in eine unfassbare Leere. Diese Gleichzeitigkeit von Trauer und dem Weitergehen des Lebens war nicht einfach zu vereinbaren.“

Stefanie weiß, dass Trauer keinem Zeitplan folgt. Sie nahm sich deshalb den Freiraum, den sie brauchte, um den Schmerz zu verarbeiten. Rückblickend sagt sie: „Mir hat es geholfen, darüber zu reden und zu schreiben. Ich war in einem ‚Leere Wiege‘‑Kurs, einem Rückbildungskurs, wo Mütter hingehen, die kein Kind in der Wiege zu Hause haben. Das war meine Selbsthilfegruppe. Die meisten Frauen haben Ähnliches erlebt. Ich konnte reden und musste mich nicht über meine Gefühle und Gedanken rechtfertigen. Und zu Hause habe ich meine Gedanken zu Papier gebracht, aus denen dann ein Buch entstanden ist.“

Heute hat Stefanie zwei lebende Kinder, die sie liebevoll ihre Regenbogenkinder nennt. Sie hat gelernt, mit dem Verlust zu leben, ohne ihre Sternenkinder zu vergessen. „Natürlich bleibt und ist mein Sohn Dominik Teil meines Lebens. Aber die Trauer bestimmt meinen Alltag nicht mehr so stark.“

Was sie anderen Menschen mitgeben möchte: Auch Kinder, die nur wenige Wochen im Mutterleib oder wenige Tage auf der Welt waren, haben ihren festen Platz in einer Familie. Und Eltern brauchen Menschen, die ihre Trauer ernst nehmen, ihnen zuhören und ihre Kinder nicht vergessen.