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Wustrow (Mecklenburg-Vorpommern) – Immer wieder taucht er in der Ostsee auf. Erst vor Dänemark, dann in der Flensburger Förde, bei Kiel, in Wismar und zuletzt vor Wustrow in Mecklenburg-Vorpommern. Experten und Behörden gehen mit hoher Wahrscheinlichkeit davon aus, dass es sich bei den Sichtungen um denselben Buckelwal handelt. Sein Name: Hartwin.

Auffällig ist sein fast weiß wirkender Rücken. Auf Fotos sind großflächige Hautveränderungen zu erkennen. Experten halten es deshalb für möglich, dass das Tier gesundheitlich angeschlagen ist. Aus Fotos allein lassen sich jedoch weder die Ursache der Hautveränderungen noch der Gesamtzustand des Tieres verlässlich bestimmen. Durch den langen Aufenthalt in salzarmen Gewässern kann die Walhaut geschädigt werden. Die Folge sind weiße Verfärbungen, Hautablösungen und ein erhöhtes Risiko für Infektionen. Ob Hartwin tatsächlich darunter leidet, ist bisher nicht bestätigt.

Die Sorge: Hartwin könnte dasselbe Schicksal erleiden wie Buckelwal Timmy, der im Frühjahr die Menschen wochenlang bewegte und später tot vor der dänischen Insel Anholt gefunden wurde.

Seit dem Timmy-Drama verfolgen viele Menschen das Schicksal gestrandeter Wale besonders aufmerksam. In sozialen Netzwerken hoffen einige bis heute, Timmy könne noch leben. Zwar sorgte ein umstrittener DNA-Vergleich zuletzt für Zweifel. Tracker-Daten, dokumentierte Verletzungen und der Vergleich der Schwanzflosse sprechen nach Einschätzung von Fachleuten und Behörden jedoch dafür, dass der vor Anholt gefundene Wal Timmy war.

Hartwin, wer?

Doch woher kommt Hartwin? Die Tierschutzorganisation „Stranded No More“ verfolgt seine Reise seit Monaten und gab dem Tier auch seinen Namen. Insgesamt wurden laut der Organisation bereits 33 Sichtungen dokumentiert. Die erste bekannte stammt vom 18. Januar in den Niederlanden. Danach begann eine außergewöhnliche Odyssee: Es folgten Meldungen aus Norwegen, Schottland, England und Dänemark bis in den Skagerrak. Von dort aus schwamm Hartwin in die Ostsee und bewegte sich immer weiter Richtung Süden.

Ungewöhnliche Reise durch die Ostsee

Anfang Juli wurde der Wal in der Flensburger Förde gesichtet. Danach folgten Beobachtungen vor Heiligenhafen, in der Kieler Förde und schließlich an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns. Zuletzt tauchte das Tier sogar im Wismarer Hafen auf und am 29. Juli bei Wustrow.

Vieles erinnert an Timmy. Auch dieser Buckelwal hielt sich lange in flachen Ostseegewässern auf und fand schließlich nicht mehr aus dem Binnenmeer heraus. Schließlich wurde er mit einem Lastkahn in den Skagerrak transportiert und dort freigelassen.

Das Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommerns teilte nach der Sichtung von Hartwin im Wismarer Hafen mit, der Wal wirke derzeit vital und tauche regelmäßig auf und ab. Ziel sei es, ihn ungestört zurück in tiefere Gewässer schwimmen zu lassen und eine Strandung zu verhindern.

Auch Schleswig-Holstein hat inzwischen eine Meldekette eingerichtet. Nach mehreren Sichtungen zogen die Behörden Polizei, Verkehrszentralen und dänische Stellen hinzu. Die klare Bitte: Abstand halten! Jeder unnötige Kontakt bedeutet zusätzlichen Stress für das Tier.

Mehr Wale, mehr Sichtungen!

Trotz der Sorge um Hartwin betonen Fachleute, dass Buckelwale in der Ostsee grundsätzlich nichts Ungewöhnliches sind. Die Tiere durchqueren auf ihren Wanderungen regelmäßig Küstengewässer, Förden und Buchten. Zudem haben sich die Bestände der Buckelwale nach dem Ende des kommerziellen Walfangs deutlich erholt. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wieder häufiger Wale in der Ostsee gesichtet werden.

Forscher vermuten jedoch auch menschliche Einflüsse. Vor allem Unterwasserlärm durch Schiffe kann die Orientierung der Tiere stören. Zudem drohen Gefahren durch Fischernetze und andere Belastungen der Meere. Die Ostsee gilt für Großwale als problematisches Gewässer. Der Weg hinein ist vergleichsweise einfach, der Weg zurück in den Atlantik dagegen deutlich schwieriger.

Ob Hartwin die Rückkehr schafft, weiß niemand. Nach dem tragischen Ende von Timmy verfolgen viele Menschen deshalb jede neue Sichtung mit Sorge. Denn je länger der Buckelwal in der Ostsee bleibt, desto größer wird das Risiko, dass auch für ihn das Binnenmeer zur tödlichen Sackgasse werden könnte.