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London – Hohe Spritpreise, teure Tankerfahrten und neue Lieferengpässe könnten die Welt noch lange beschäftigen. Saudi-Aramco-Chef Amin Nasser (67) warnt vor Folgen der Ölkrise, die bis zu zwei Jahre nachwirken könnten. Beim Energy-Intelligence-Forum in London sprach er vom „schwersten Energie-Versorgungsschock“ seiner Karriere.

Selbst wenn die Straße von Hormus wieder frei ist, dauert es bis zu zwei Jahre. So lange braucht es, um die Lager zu füllen und zugleich die normale Nachfrage zu decken. Nassers Warnung hat Gewicht: Er führt mit Saudi Aramco den nach Fördermenge größten Rohölkonzern der Welt. Der Konzern kann bis zu zwölf Millionen Barrel Rohöl am Tag fördern.

Die Welt zapft ihre Öl-Puffer an

Der Aramco-Chef warnt, der weltweite Versorgungspuffer sei inzwischen „erschreckend dünn“. Vor Beginn der Krise hätten weltweit knapp zehn Milliarden Barrel Öl in den Lagern gesteckt. Seitdem seien nach Nassers Rechnung fast drei Milliarden Barrel an normalerweise erwarteten Lieferungen ausgefallen. Mehr als eine Milliarde Barrel dieses Ausfalls seien durch Öl aus den Lagern abgefedert worden.

Das Nadelöhr der Öl-Welt

Besonders kritisch bleibt die Straße von Hormus. Vor der Krise liefen dort täglich rund 20 Millionen Barrel Öl und Ölprodukte durch – etwa jedes fünfte weltweit verbrauchte Barrel. Im zweiten Quartal 2026 waren es zeitweise weniger als fünf Millionen. Eine Pipeline zum Roten Meer bietet Saudi-Arabien zwar eine Ausweichroute, kann Hormus aber nicht vollständig ersetzen.

Experte bremst den Öl-Alarm

Commerzbank-Rohstoffexperte Carsten Fritsch hält Nassers Zwei-Jahre-Warnung für zu düster. „Das klingt zu pessimistisch“, sagt er zu BILD. Die Lieferungen aus der Golfregion lägen nach Schätzungen verschiedener Datendienste bereits wieder auf dem Vorkrisenniveau. Bleibe das so, dürften auch die Ölpreise wieder sinken.

Ganz entspannt ist die Lage trotzdem nicht: Laut Internationaler Energieagentur sanken die weltweiten Ölbestände in den sechs Monaten bis Ende August um gut 500 Millionen Barrel.