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Seoul (Südkorea) – Der Verzehr von getrockneten oder frittierten Insekten ist in großen Teilen Asiens weit verbreitet. In Thailand, Vietnam oder China sind Seidenraupen, Heuschrecken oder Käferlarven beliebte Snacks auf Märkten. In Südkorea haben es Insekten sogar als Beilage bis in die Spitzenküche geschafft. Doch für den Inhaber eines mit Michelin-Sternen ausgezeichneten Restaurants in Seoul hat das jetzt ein gerichtliches Nachspiel.

Die südkoreanische Staatsanwaltschaft beantragte für den Gastronomen eine einjährige Haftstrafe, weil er getrocknete Ameisen als Garnitur für Desserts verwendet haben soll. Das Problem: Ameisen gehören in Südkorea nicht zu den zehn Insektenarten, die für den menschlichen Verzehr zugelassen sind. Sie dürfen daher nicht als Lebensmittelzutat verwendet werden.

Vier Jahre lang Ameisen auf dem Dessert

Dem Restaurantinhaber, dessen Identität nicht bekannt gegeben wurde, wird ein Verstoß gegen das Gesetz zur Lebensmittelsicherheit vorgeworfen. Außerdem beantragte die Staatsanwaltschaft eine Geldstrafe in Höhe von 20 Millionen Won (rund 12.000 Euro) gegen das Restaurant. Der Gastronom soll getrocknete Ameisen aus den USA und Thailand importiert haben. Von April 2021 bis Januar 2025 verwendete er sie als Dessert-Garnitur. Pikant: Nach Angaben der koreanischen Nachrichtenseite „Chosun“ handelt es sich bei dem Spitzenrestaurant um ein Lokal eines Küchenchefs, der durch seine Teilnahme an der südkoreanischen Netflix-Koch-Sendung „Culinary Class Wars“ bekannt wurde.

Rund 49.000 Ameisen als Topping serviert

Der Fall kam ans Licht, nachdem Gäste Beiträge über die mit Ameisen bestreuten Gerichte auf verschiedenen Social-Media-Seiten hochgeladen hatten. Beamte des südkoreanischen Ministeriums für Lebensmittel- und Arzneimittelsicherheit leiteten daraufhin Ermittlungen ein, wie unter anderem die „BBC“ berichtet. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft servierte das Restaurant mehr als 12.200 Portionen Sorbet. Damit setzte es rund 120 Millionen Won (72.000 Euro) um. Insgesamt sollen dabei rund 49.000 Ameisen verwendet worden sein, berichtet „The Korea Herald“.

Gastronom räumt Vorwurf ein

Der angeklagte Restaurantinhaber, der sich mit kreativen und international inspirierten Interpretationen der koreanischen Küche einen Namen gemacht hatte, räumte ein, getrocknete Ameisen in seinem Restaurant im angesagten Stadtteil Gangnam serviert zu haben. Sie seien nur in einem „kleinen Teil“ des 15-Gänge-Menüs – als Topping für Sorbets – verwendet worden. Die Gäste hätten außerdem die Möglichkeit gehabt, sich für eine andere Garnitur ohne Ameisen zu entscheiden. Das Urteil vor dem Bezirksgericht Seoul-West wird voraussichtlich am 2. September verkündet.