TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen

Augsburg – Dieser Brief von Mama hatte es offenbar richtig in sich! Wegen ihrer großen Liebe zu ihrem Sohn, musste jetzt eine Frau vor Gericht antanzen. Vier DIN-A4-Seiten soll sie ihrem Sohn Dominik W. (41) ins Gefängnis geschickt haben. Dabei handelte es sich angeblich um Anwaltspost. Doch auf den Blättern entdeckten Ermittler synthetische Cannabinoide. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sollte die Drogen-Post für bis zu 130 Rauschzustände reichen.

Vor dem Amtsgericht Augsburg muss sich der Häftling jetzt wegen Handels mit psychoaktiven Stoffen verantworten. Laut Anklage (Bayern) soll er seine Mutter Tanja W. dazu gebracht haben, ihm den als „Verteidigerpost“ gekennzeichneten Brief in die JVA zu schicken. Die Drogen habe er hinter Gittern verkaufen wollen.

Drogen auf vier Blatt Papier

Die synthetischen Cannabinoide sollen sich auf insgesamt vier DIN-A4-Seiten befunden haben. Zwar wurde darauf nur eine geringe Menge des Stoffes festgestellt, laut Staatsanwaltschaft etwa ein Zehntel der üblichen Dosierung. Dennoch sollen sich daraus 65 bis 130 Konsumeinheiten beziehungsweise „Rauschzustände“ ergeben haben.

Doch Muttis Brief kam nie an. Denn Mitarbeiter der JVA-Poststelle wurden stutzig und checkten die Sendung. Es ist wohl schon häufiger versucht worden, die synthetischen Cannabinoide „Spice“ in die JVA Kaisheim zu schmuggeln. Dabei können Papierbögen mit den Drogen versetzt, anschließend portioniert und mit Tabak vermengt werden.

Mutter sitzt im Gerichtssaal und schweigt

Die Mutter des Insassen verweigerte im Prozess die Aussage. Doch die Staatsanwaltschaft Memmingen habe die Frau aufgrund des Falles bereits angeklagt, teilte Richter Matthias Nickolai mit. Zudem habe auch die Anwaltskanzlei erklärt, das betreffende Schreiben nicht erstellt zu haben.

Und der Sohn? Der mehrfach vorbestrafte Dominik W. wurde in Handschellen in den Gerichtssaal geführt und bestritt die Vorwürfe: „Der Sachverhalt stimmt so nicht.“ Er hat eine völlig andere Erklärung für die Drogen-Post. Vor seiner Verlegung nach Kaisheim habe er in einem Bezirksklinikum einen Entzug gemacht. Dort sei er rückfällig geworden und habe Drogen konsumiert.

Die belasteten Papiere habe er damals selbst zwischen seiner Anwaltspost versteckt. Nachdem er die Therapie abgebrochen habe und wieder in die JVA gekommen sei, habe seine Mutter die zurückgebliebenen Unterlagen lediglich an ihn geschickt. Seine Erklärung für die Drogen auf den Seiten: „Die Dokumente haben wahrscheinlich so Spuren der Drogen aufgenommen.“

Für Dominik W. könnte die mutmaßliche Drogen-Post seiner Mutter am Ende dennoch eine vergleichsweise kleine Rolle spielen. Der Richter brachte sogar eine mögliche Einstellung des Verfahrens ins Gespräch: „Vielleicht fällt dieser Fall gar nicht mehr ins Gewicht.“ Denn inzwischen wurden in der Haftzelle des 41-Jährigen weitere Betäubungsmittel gefunden. Gegen ihn laufen drei weitere Verfahren wegen Drogenbesitzes.