Hamburg – Wer den Herrn im feinen Zwirn und mit Krawatte in seiner Ecke sitzen sah, vergaß ihn nicht. Klaus gehörte zum berüchtigten Elbschlosskeller wie der klebrige Tresen, die Jukebox, aus der Schlager dudeln, und die von Rauch schwere Luft. Nun bleibt sein Platz leer. Der älteste Stammgast der Kultkneipe ist im Alter von 86 Jahren gestorben. St. Pauli trauert um eines seiner letzten echten Kiezoriginale.
Selbst wenn die anderen Gäste längst die Nacht zum Tag gemacht hatten, verlor Klaus nie die Haltung. Der frühere Seemann sagte „Bitte“ und „Danke“, begegnete den Menschen mit Respekt. Egal, wie viele Gläser er bereits getrunken hatte: „Er war immer höflich, zuvorkommend, gut gekleidet und ein Gentleman der alten Zeit“, heißt es im Nachruf des Elbschlosskellers.
Schon als junger Mann war Klaus im Elbschlosskeller in Hamburg zu Gast. Dann verschwand er für Jahrzehnte aus der rund um die Uhr geöffneten Kneipe. Der Grund: die Liebe. Klaus heiratete und blieb während seiner Ehe seinem Stammplatz fern – 46 Jahre lang. Kiez-Künstlerin Anna Genger erinnert sich an ihre Gespräche mit ihm: „Erst als seine Frau nicht mehr lebte, kehrte er zurück, stets im Anzug und mit ihrem schönen Granatring an seinem Ringfinger.“ Er habe sie jeden Tag vermisst und oft von ihr erzählt.
Seine Kneipe wurde zum zweiten Zuhause
Im Elbschlosskeller nahe der Reeperbahn fand Klaus neuen Halt. Die Kneipe wurde zu seinem Wohnzimmer, das Team zu seiner zweiten Familie. Manchmal blieb er nicht nur einen Abend, sondern tagelang. Einmal soll er 18 Tage am Stück dort gesessen haben. Zwischendurch ging er essen, besuchte den „Goldenen Handschuh“ auf der anderen Straßenseite und kehrte anschließend auf seinen Lieblingsplatz in der Ecke zurück.
Am liebsten trank Klaus Rotwein, berichtet die „Hamburger Morgenpost“. Dazu aß er Wan-Tan-Suppe vom Vietnamesen. Noch wenige Wochen vor seinem Tod verbrachte er fast sieben Tage in seiner Stammkneipe. Die Todesumstände sind nicht bekannt. Nun bleibt der Platz des stets gut gekleideten Herrn leer.