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Hitze kann gefährlich sein, aber Sonne und Helligkeit verbessern das Leben auf vielfältige Weise. Kennen Sie die beglückenden Sommer-Effekte?

Die gefährliche Hitze ist erst einmal vorbei. Wer morgens die Fenster öffnet, spürt nun einen positiven Einfluss des Sonnenlichts: Es hemmt die Produktion des Schlafhormons Melatonin und regt gleichzeitig die Ausschüttung von Serotonin an.

Je länger und heller die Tage, desto höher der Serotoninspiegel, was mit besserer Laune und innerer Ruhe einhergeht. In einer Studie berichten Forscher, dass melatoninsenkende Lichtreize am Morgen die innere Uhr vorziehen, Schlafstörungen lindern – und die Stimmung verbessern können.

Hormonelle Effekte erklären, warum viele Menschen im Sommer aufblühen und euphorischer sind. Die Sonne kurbelt nicht nur Serotonin an, sondern könnte antidepressiv wirken: Lichttherapie wird gegen saisonale Depression eingesetzt, weil sie Melatonin unterdrückt und Serotonin aktiviert. Für einen stabilen Schlafrhythmus empfehlen Forscher, tagsüber nach draußen zu gehen.

Das „Sonnenvitamin“ heißt Vitamin D. Es wird in der Haut gebildet, sofern UV‑B‑Strahlen auf sie treffen. Sonnenstrahlung sei die primäre Quelle für die Vitamin‑D‑Bildung, betont eine Studie in der Fachzeitschrift „Cureus“. Höhere Vitamin‑D‑Spiegel gingen mit einem besseren Immunsystem einher. Darüber hinaus stärke Vitamin D die Knochen, das Herz‑Kreislauf‑System und das Zusammenspiel von Nerven und Muskeln.

Ein weiteres Wohlfühlhormon

Vitamin‑D‑Mangel hingegen kann gravierende Folgen haben: Er steht im Zusammenhang mit erhöhter Anfälligkeit für Autoimmunkrankheiten, Osteoporose und Depressionen. Die Forscher warnen jedoch davor, ungeschützt in der Sonne zu braten, und empfehlen bei längeren Aufenthalten Sonnencreme – denn UV-Strahlung ist zugleich Verursacher von Hautkrebs.

Neben Serotonin und Vitamin D setzt Sonnenlicht ein weiteres Wohlfühlhormon frei: Beta‑Endorphin. Wissenschaftler der Harvard Medical School haben gezeigt, dass bei Mäusen schon nach einer Woche mit niedrig dosierter UV‑Bestrahlung der Endorphinspiegel signifikant angestiegen war – mit positiven Folgen: Die Tiere zeigten höhere Schmerzschwellen. Die Forscher folgern, dass UV‑Licht auch bei Menschen eine wohlige Euphorie auslösen könnte, ein möglicher Grund, warum Menschen sich gerne sonnen.

Sonne verbessert nicht nur die Stimmung, sondern womöglich auch die Herz-Kreislauf-Funktion. Ein Forscherteam der Universitäten Southampton und Edinburgh untersuchte 24 gesunde Probanden, die sich zweimal 20 Minuten unter UVA‑Lampen legten. Im Versuch mit UVA‑Licht dehnten sich die Blutgefäße, der Blutdruck sank und die Konzentration des Botenstoffs Stickstoffmonoxid (NO) veränderte sich.

NO werde freigesetzt und wandere ins Blut, wodurch sich die Gefäße entspannten und das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall sank. Sonnenlicht könnte damit zur Herz-Kreislauf-Gesundheit beitragen, vermuten die Forscher.

Das Flirt-Experiment

Die Sonne wirkt anscheinend auch auf jene Hormonsysteme, die mit Sexualität und romantischer Erregung zusammenhängen. UV-B-Strahlung auf der Haut beeinflusste in Tierexperimenten Sexualhormone und Paarungsverhalten. Womöglich wirke der Effekt auch bei Menschen, spekulieren Forscher in „Cell Reports“: Probanden berichteten bei entsprechender UV-B-Bestrahlung von stärkerer „romantischer Leidenschaft“, gleichzeitig seien höhere Testosteronwerte festgestellt worden, besonders bei Männern.

Da trifft es sich gut, dass die Partnersuche wegen des Sommerwetters einfacher scheint: Ein Sozialforscher ließ in Frankreich einen attraktiven 20‑jährigen Mann 18‑ bis 25‑jährige Frauen in der Fußgängerzone ansprechen und um ihre Telefonnummer bitten. Das Experiment fand sowohl an sonnigen als auch an bewölkten, aber niederschlagsfreien Tagen statt. An sonnigen Tagen lag die Erfolgsquote erheblich höher – Sonnenschein erhöhe offenbar die Flirtbereitschaft, folgern die Wissenschaftler.

Experimente deuten darauf hin, dass physische Wärme „soziale Wärme“ erzeugen könnte. Psychologen ließen Probanden kurz einen heißen oder kalten Kaffeebecher halten und anschließend die Persönlichkeit einer fremden Person beurteilen. Teilnehmer mit warmem Becher empfanden die beschriebene Person als sympathischer als diejenigen, die ein kaltes Getränk hielten, berichten die Forscher.

Spendabler bei Sonnenschein

In einem zweiten Versuch gaben Probanden nach dem Halten eines Wärmepacks lieber ein Geschenk an einen Freund, während Teilnehmer mit kaltem Becher das Geschenk für sich behielten. Physische Wärme erhöhe Vertrauen und Hilfsbereitschaft, folgert die Studie, die allerdings noch bestätigt werden muss.

Dass sommerliche Stimmung zwischenmenschliches Verhalten bessert, zeigt auch die Analyse von fast 14 Millionen Taxifahrten in New York City. Es wurde mehr Trinkgeld gegeben, berichten Wissenschaftler. Sonnenschein scheint spendabler zu machen.

An Tagen mit klarem Himmel geben Deutsche eine höhere Lebenszufriedenheit an als an normalen oder bewölkten Tagen, fand eine Studie. Sonnenschein hebe die Stimmung direkt – und zusätzlich indirekt, weil die Menschen mehr nach draußen gingen. Die Befunde zeigen aber auch, dass Zufriedenheit bei moderaten Temperaturen am höchsten ist und sowohl bei Kälte als auch bei Hitze abnimmt.

Forscher fanden: Sowohl sehr niedrige als auch sehr hohe Temperaturen, zumal bei hoher Luftfeuchtigkeit, senken das Wohlbefinden. Wobei sich Menschen in ihrem gewohnten Klima meist am wohlsten fühlen.