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So will der Konzern Yara die Klimabilanz der Landwirtschaft verbessern

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Der norwegische Konzern Yara und das Unternehmen Team Agrar aus Schleswig-Holstein haben einen Vertrag zur Lieferung von CO2‑reduziertem Dünger abgeschlossen. Nach Angaben der Unternehmen vom Montag ist es der erste Vertrag dieser Art weltweit. Yara und Team Agrar vereinbarten die Lieferung von 2500 Tonnen Dünger, bei dessen Herstellung rund 900 Tonnen CO2-Äquivalent weniger freigesetzt worden seien als bei der Produktion von konventionellem Dünger.

„CO2-Reduktion wird in unserer Branche eine immer größere Rolle spielen. Wir wollen hier Vorreiter sein – nicht erst, wenn es alle tun“, sagt Bent Nissen, Geschäftsführer von Team Agrar. „Deshalb investieren wir gezielt in CO2-reduzierte Düngemittel und bieten unserer Kundschaft schon heute eine Lösung, mit der sie ihre Klimabilanz messbar verbessern kann.“ Team Agrar mit Sitz in Osterrönfeld bei Rendsburg am Nord-Ostsee-Kanal ist einer der führenden Händler von Agrarprodukten in Deutschland. Das Unternehmen gehört zur dänischen Genossenschaftsgruppe DLG.

Yara ist einer der international führenden Hersteller vor allem von Ammoniak und von Düngemitteln. Das Unternehmen betreibt unter anderem eine Ammoniakfabrik in Brunsbüttel und ein Düngemittelwerk in Rostock. „CO2-reduzierter Dünger ist eine der größten und zugleich einfachsten Stellschrauben, um die Lebensmittelproduktion zu dekarbonisieren“, sagt Marco Fleischmann, Geschäftsführer von Yara Deutschland. „Den Markt dafür können wir nur gemeinsam skalieren. Mit Team Agrar haben wir einen Partner, der vorangeht und zeigt, dass Klimaschutz in der Landwirtschaft heute schon praxistauglich ist.“

Ammoniak ist der Grundstoff für Kunstdünger. Die hochgiftige Chemikalie besteht aus Wasserstoff und Stickstoff. Für die Herstellung von Ammoniak wird üblicherweise Wasserstoff aus Erdgas extrahiert, das dabei frei werdende Kohlendioxid entweicht in die Atmosphäre. In seinem niederländischen Werk in Sluiskil nutzt Yara die sogenannte CCS-Technologie. Dabei wird das CO2 aus dem Erdgas aufgefangen, verflüssigt und später in unterseeische Lagerstätten verpresst, wie sie mittlerweile in Europa vor allem Norwegen und Dänemark anbieten. Die CCS-Anlage in Sluiskil, die Yara im September in Betrieb genommen hat, ist nach Angabe des Konzerns derzeit „die größte kommerzielle CO2-Abscheidungsanlage Europas“. Mit dem Ammoniak aus Sluiskil wird im Yara-Werk Rostock der CO2-reduzierte Dünger hergestellt.

CCS – Carbon Capture and Storage – gilt als Übergangstechnologie, um in der Energie- oder Chemieproduktion zunächst weiterhin fossile Energieträger nutzen zu können und dennoch bestimmte Klimaziele zu erreichen. Langfristig geht es bei der Herstellung von Ammoniak darum, den Wasserstoff per Elektrolyse unter Einsatz erneuerbarer Energien zu erzeugen, was heutzutage noch nicht wirtschaftlich möglich ist. Der nötige Stickstoff für die Herstellung von Ammoniak ist in der Atmosphäre verfügbar.

Die Eigenerzeugung von CO2-reduziertem Ammoniak und Dünger hat für Europa noch einen zusätzlichen Nutzen. Nach wie vor importieren die Staaten der Europäischen Union erhebliche Mengen an russischem Kunstdünger – der wiederum mithilfe von russischem Erdgas hergestellt wird. Auch mit dem Export von Dünger finanziert Russland seinen Krieg gegen die Ukraine.

Die EU-Kommission versucht, den Import von russischem Dünger mit gestaffelten, steigenden Strafzöllen zu reduzieren. „Europäisch produziert und CO2-reduziert, das ist die Zukunft für unabhängiges und klimafreundliches Wirtschaften“, sagt Joschka Knuth (Grüne), Staatssekretär im Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur von Schleswig-Holstein: „Yara und Team Agrar machen es vor und stärken damit unsere Resilienz in einem entscheidenden Sektor – unserer Lebensmittelproduktion.“

Mit der Lieferung der ersten 2500 Tonnen des CO2-reduzierten Düngers können laut Yara und Team Agrar „Kulturen auf rund 3500 bis 4000 Hektar Anbaufläche mit Stickstoff versorgt werden – das entspricht etwa 175.000 Tonnen Kartoffeln oder auch rund 450.000 Millionen Brötchen.“ Lebensmittel verarbeitende Betriebe und der Einzelhandel können CO2-Einsparungen aus reduziertem Dünger künftig in ihrer Klimabilanz geltend machen, wenn der Dünger in dieselbe Region geliefert wird, aus der die Ernte stammt – auch ohne Rückverfolgung bis zum einzelnen Feld.

Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit mehr als 30 Jahren über die deutsche und die internationale Energiewirtschaft, über die maritime Wirtschaft und auch über die Grundstoffindustrie.