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Berlin – Es ist eine Schicksalswahl für die Stadt, die schon so viel erlebt hat. Nazizeit, Teilung in Ost und West, Mauerfall, Bundeshauptstadt. Und jetzt vor der Entscheidung steht: Kommt nach 36 Jahren des letzten SED-Oberbürgermeisters in Berlin eine DDR 2.0 oder regiert die Mitte weiter?

Mit einigen Linken droht der Einzug antisemitischer Abgeordneter ins Parlament. In einer Stadt, von der der Holocaust ausging! Nach letzten Umfragen vor der Wahl haben nur CDU und Linke die Chance auf Platz 1 und das Rote Rathaus. Beide bräuchten voraussichtlich Grüne und SPD als Partner. Mit der AfD (laut Umfragen Platz 3) will keiner.

CDU-Mann Stefan Evers (46) musste in zehn Wochen eine Aufholjagd hinlegen, da der Noch-Regierende Kai Wegner (54, CDU) als Spitzenkandidat abgedankt hatte. Als erste muslimische Regierende will Elif Eralp (45, Linke) ins Rote Rathaus einziehen. In der Hauptstadt haben rund 40 Prozent migrantische Wurzeln. Dafür, dass viele von ihnen an die Wahlurnen können, sorgt ein Deutschlandrekord bei Einbürgerungen – allein im vergangenen Jahr waren es 39.041.

Bis zu 2,5 Millionen Berliner entscheiden. Erstmals auch bis zu 55.000 Jugendliche, da das Wahlalter auf 16 Jahre gesenkt wurde. Wie noch Jüngere abstimmen würden, zeigt die U16-Wahl: Die Hälfte der Kinder und Jugendlichen wählte Linke oder Grüne. BILD stellte den beiden Favoriten zehn Fragen – so ticken sie.

Wem würden Sie gern mal so richtig die Meinung sagen – und warum?

Stefan Evers: „Jedem, der seinen Müll einfach auf die Straße wirft. Dem würde ich gern persönlich sagen: Heb deinen Mist auf! Berlin ist unsere Stadt und nicht dein Mülleimer.“

Elif Eralp: „Friedrich Merz, weil er sich nicht für die Alltagssorgen der Menschen interessiert. Und er meint ernsthaft, dass sich Menschen, die jeden Tag hart arbeiten, sich einfach so ohne Grund krankschreiben lassen. Zudem kürzt er noch bei Gesundheit, Inklusion und Sozialem.“

Zu wenig Wohnungen, zu wenig bezahlbare Mieten – was löst Berlins größtes Problem?

Stefan Evers: „Schneller und günstiger Wohnungen bauen – whatever it takes. Auch am Rand des Tempelhofer Felds, dort können wir 50.000 Berlinern ein bezahlbares Zuhause geben. Außerdem Law & Order beim Mieterschutz. Wer Mieter illegal abzockt, wird künftig dank Mietenprüfstelle und Berliner Mietenregister harte Konsequenzen spüren.“

Elif Eralp: „Indem wir Recht und Gesetz bei dreisten Vermietern und großen Immobilienkonzernen durchsetzen, die illegal die Mieten erhöhen und Menschen in existenzielle Nöte versetzen. Wir wollen einen Mietendeckel bei den landeseigenen Wohnungsunternehmen einführen, der 400.000 Haushalte sofort entlastet, wir betreiben mehr sozialen Wohnungsbau und setzen den Volksentscheid zur Vergesellschaftung großer Immobilienkonzerne um, um Spekulation entgegenzuwirken.“

Wie viel Zuwanderung braucht Berlin – und unter welchen Bedingungen?

Stefan Evers: „Wer legal zu uns kommt, um hier etwas zu schaffen, ist willkommen. Wer illegal hier ist, Straftaten begeht und kein Bleiberecht hat, der muss raus.“

Elif Eralp: „Alle Menschen, die in Berlin leben, sollen teilhaben können, arbeiten dürfen, die Kinder Geflüchteter sollen an Regelschulen lernen und nicht in Containern, nur so ist ein gutes Ankommen möglich, das für alle das Beste wäre. Berlin muss weiterhin sicherer Hafen für Geflüchtete sein und auch für Fachkräfte ein Ort sein, an dem sie gerne arbeiten.“

Werden Sie versuchen, die geplante Abschaffung der „Rente mit 63“ zu verhindern?

Stefan Evers: „Unser Sozialstaat muss auch für die nächsten Generationen funktionieren. Wir brauchen Reformen, damit die soziale Sicherung nicht zusammenbricht. Da haben alle Parteien in den vergangenen Jahren zu lange zugesehen. Jetzt müssen diese Fragen geklärt werden. Vernünftig, gerecht und mit Respekt vor denen, die jahrzehntelang gearbeitet haben.“

Elif Eralp: „Viele Menschen haben ihr Leben lang gearbeitet und müssen trotzdem jeden Euro dreimal umdrehen, wenn sie endlich in der Rente sind. Das kann nicht wahr sein. Wir wollen eine armutsfeste Grundrente und ich werde die Stimme für alle Rentnerinnen und Rentner in Deutschland im Bundesrat sein als Regierende Bürgermeisterin für Berlin.“

Nach AfD-Triumph in Sachsen-Anhalt: Ist die Brandmauer noch zeitgemäß?

Stefan Evers: „Ich arbeite nicht mit Radikalen zusammen – egal welcher Art. Wir brauchen keine Hetzer und ihre falschen Versprechen. Ich setze auf gesunden Menschenverstand und Lösungen, die am Ende auch tragen.“

Elif Eralp: „Die AfD ist eine rechtsextreme Partei, die gegen Menschen mit Migrationsgeschichte hetzt. Sie und ihre Positionen gehören politisch isoliert. Das reicht aber nicht, es ist auch wichtig, mit denen zu sprechen, die aus Protest zur aktuellen Regierung die AfD gewählt haben. Wir müssen hingehen, zuhören und vor allem die Lebensbedingungen von allen Menschen verbessern. Ein bezahlbares Berlin für alle Menschen, egal, woher sie kommen oder wie viel Einkommen sie haben, schwächt auch die AfD.“

Wer war Ihr größter Lehrmeister oder Ihre größte Lehrmeisterin, was haben Sie von ihm/ihr gelernt?

Stefan Evers: „Meine Mutter. Von ihr habe ich gelernt: vernünftig sein, hart arbeiten und sich nicht verbiegen lassen.“

Elif Eralp: „Meine Eltern, ich habe von ihnen gelernt, auch bei ausweglos scheinenden Situationen nicht aufzugeben und weiterzukämpfen, vor allem für Gerechtigkeit und auch für die eigenen Rechte und Ziele.“

Wie stehen Sie zur Gefahr durch wachsenden Antisemitismus gerade in Berlin?

Stefan Evers: „Judenhass ist Menschenhass. Wer jüdische Menschen bedroht, angreift, ihnen das Leben in unserer Stadt zur Hölle macht, der muss die volle Härte unseres Rechtsstaats zu spüren bekommen. Dafür brauchen Polizei und Verfassungsschutz alle notwendigen Mittel. Judenhasser dürfen in unserer Stadt nicht das Sagen haben, schon gar nicht im Senat.“

Elif Eralp: „Die zunehmenden Übergriffe machen mir große Sorgen. Ich möchte, dass sich alle Menschen in unserer Stadt sicher fühlen, und setze mich gegen Antisemitismus, Rassismus und jede Form der Menschenfeindlichkeit ein.“

Wofür würden Sie als Politiker niemals Geld ausgeben?

Stefan Evers: „Für die Massenenteignung von Wohnungsunternehmen. Das schafft keine einzige neue Wohnung, im Gegenteil. Die Not würde schlimmer, weil Wohnungsunternehmen künftig einen großen Bogen um Berlin machen würden. Außerdem würde es Berlin Milliarden kosten, die wir nicht haben. Den Preis müssten die Mieter bezahlen. Diese Idee der Linkspartei ist einfach nur irre.“

Elif Eralp: „Weder für eine Magnetschwebebahn noch für sinnlose Zäune, die kein Problem lösen. Mehr öffentliches Geld brauchen wir für unsere Kitas, bezahlbare Wohnungen, gute Schulen und ein Berlin ohne Müll, nicht für Prestigeprojekte, die niemand braucht.“

Ihre größte Stärke, Ihre größte Schwäche?

Stefan Evers: „Meine Ungeduld – bei beidem. Ich leide darunter, wenn Dinge ewig dauern. Das kann anstrengend sein. Aber es sorgt auch dafür, dass ich nicht lockerlasse, bis sich endlich was bewegt.“

Elif Eralp: „Als Juristin nehme ich alles sehr genau. Mein Team sagt, ich sei manchmal zu penibel. Das stimmt, aber Genauigkeit kann auch eine Stärke sein, genau wie meine Beharrlichkeit, die nerven kann, aber auch oft beim Zieleerreichen hilfreich ist.“

Hertha oder Union?

Stefan Evers: „VSG Altglienicke. Aber natürlich drücke ich auch Union und Hertha die Daumen – beide treffen sich hoffentlich bald in der ersten Liga.“

Elif Eralp: „Meine Familie geht gerne zu Union, ich find’ die Atmosphäre dort auch gut, aber interessiere mich mehr für Basketball.“