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Berlin/Moskau – Panzer an der Grenze, Raketen am Himmel, Soldaten im Vormarsch. So stellen sich viele den Beginn eines Krieges vor. Sicherheitsexperten warnen jedoch: Sollte Russland die Nato testen wollen, könnte ein Angriff ganz anders aussehen. Statt eines großen Überfalls auf Europa wären auch verdeckte Operationen, Sabotage oder begrenzte Vorstöße denkbar, die die Allianz vor schwierige Entscheidungen stellen.

BILD zeigt die meistdiskutierten Szenarien:

Angriff auf dem Meeresgrund

Der erste Schlag könnte tief unter Wasser kommen. Russland verfügt über spezialisierte Einheiten und Tiefsee-U-Boote, die an kritischer Infrastruktur auf dem Meeresgrund operieren können. Denkbare Ziele: Daten- und Stromkabel, Pipelines oder Offshore-Anlagen. Fallen wichtige Verbindungen gleichzeitig aus, drohen schwere Störungen bei Kommunikation, Energieversorgung und Handel. Das Problem: Bei einer Sabotage auf hoher See könnte zunächst unklar bleiben, wer angegriffen hat.

Die Narva-Falle

Plötzlich stehen Bewaffnete in einer Nato-Stadt, doch Russland behauptet: Wir waren es nicht! Genau darum geht es beim sogenannten Narva-Szenario. In der estnischen Grenzstadt wird seit Jahren eine verdeckte russische Operation nach dem Muster der Krim diskutiert: „grüne Männchen“ ohne Hoheitszeichen, geschürte Unruhen, Separatisten und zugleich Dementis aus Moskau.

Griff nach der Ostsee

Wer Gotland kontrolliert, bedroht eine der wichtigsten Drehscheiben der Ostsee. Deshalb tauchen die schwedische Insel und die finnischen Åland-Inseln immer wieder in Kriegsszenarien auf. Denkbar wäre ein russischer Überraschungsangriff mit dem Versuch, dort Flugabwehr- und Anti-Schiff-Systeme zu stationieren. Nato-Truppen-Verstärkung für das Baltikum könnten dadurch erheblich erschwert werden.

Alarmstufe Arktis

Der nächste mögliche Krisenherd liegt fast am Nordpol. Spitzbergen gehört zu Norwegen und damit zu einem Nato-Staat. Gleichzeitig besitzt die Inselgruppe einen besonderen völkerrechtlichen Status, Russland unterhält dort mit Barentsburg bis heute eine eigene Siedlung. Experten befürchten: Moskau könnte eine Krise inszenieren – etwa mit dem Vorwurf angeblicher Vertragsverletzungen oder dem Schutz russischer Bürger. Ziel: Druck auf Norwegen ausüben oder strategische Punkte besetzen. DENN: Nur wenige Hundert Kilometer weiter liegt eines der militärisch wertvollsten Gebiete Russlands – die der Kola-Halbinsel. Dort liegen wichtige Einrichtungen der russischen Nordflotte und der seegestützten nuklearen Abschreckung.

Der Baltische Alptraum

Russische Truppen stoßen von Belarus Richtung Kaliningrad vor und schneiden das Baltikum auf dem Landweg vom übrigen Nato-Gebiet ab. Das ist das gefürchtete Szenario an der Suwalki-Lücke, dem schmalen Gebiet zwischen Belarus und der russischen Exklave Kaliningrad. Gelänge Russland dort ein schneller Durchbruch, könnte Moskau versuchen, vollendete Tatsachen zu schaffen, bevor größere Nato-Verstärkungen eintreffen. Die Suwalki-Lücke gehört deshalb seit Jahren zu den zentralen Szenarien eines möglichen direkten Russland-Nato-Konflikts.