Berlin – Sachsen-Anhalt ist klein, doch am Sonntag schaut ganz Deutschland hin. Erstmals könnte eine als rechtsextrem eingestufte Partei auf Landesebene an die Macht kommen. Gleichzeitig droht die Wahl zur Belastungsprobe für Kanzler Friedrich Merz, die CDU und die SPD-Spitze zu werden.
Welche Szenarien gibt es für die Union nach der Wahl?
- • „Noch einmal gut gegangen“ Die CDU landet hinter der AfD, kann aber trotzdem gemeinsam mit SPD und Grünen eine Regierung bilden. Das wäre das Wunsch-Szenario der Union – doch die Umfragen machen wenig Hoffnung: Die drei Parteien kamen seit Jahresbeginn zusammen nie über 37 Prozent.
- „AfD-Beben“ Die AfD holt die absolute Mehrheit und könnte mit Ulrich Siegmund allein regieren. Der Super-GAU. Für die CDU wäre es eine historische Niederlage – und Merz dürfte dafür persönlich verantwortlich gemacht werden. CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze hat sich im Wahlkampf deutlich von der Bundespartei abgegrenzt. In Berlin könnte der Druck auf den Kanzler deshalb massiv steigen. Der US-Wettanbieter Polymarket, der bei Prognosen zu Trump, Merz und anderen politischen Ereignissen zuletzt mehrfach richtig lag, sieht die Chance auf eine AfD-Alleinregierung in Sachsen-Anhalt inzwischen bei nur 19%.
- „Die Zerreißprobe“ Die AfD verpasst die absolute Mehrheit, doch die CDU kann nur mit Linken oder AfD regieren. Eine Zusammenarbeit mit beiden Parteien verbietet eigentlich der CDU-Parteitagsbeschluss von 2018. Doch die Brandmauer zur Linken bröckelt bereits: In Sachsen und Thüringen stützen sich CDU-geführte Minderheitsregierungen punktuell auf die Linke. Sollte auch Sachsen-Anhalt diesen Weg gehen, könnte die CDU eskalieren: Diejenigen, die eine Zusammenarbeit mit der AfD wollen, könnten die Gelegenheit nutzen, die Brandmauer nach rechts ebenfalls infrage zu stellen. Im schlimmsten Fall droht eine Spaltung der Partei.
Und die SPD?
Auch für Lars Klingbeil und Bärbel Bas steht viel auf dem Spiel.
- „Totalabsturz“: Die SPD fliegt erstmals aus einem Landtag. Aktuell liegt sie zwar bei 8 bis 9 Prozent, sicher ist der Einzug aber nicht. Ein Scheitern würde den innerparteilichen Ruf nach Konsequenzen für die Parteiführung massiv verstärken.
- „Fünf plus“: Die SPD schafft den Einzug und bleibt damit wahrscheinlich Teil der Regierung in Magdeburg. Das wäre wichtig für die Partei – aber noch längst kein Befreiungsschlag.
Großer Knall erst Ende September?
Der große Knall könnte aber erst Ende September folgen. DENN: Am 20. September wird in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern gewählt – und für die CDU kommt der Druck von beiden Seiten: von rechts durch die AfD und von links durch die Linke! In Berlin liegt die Linke laut aktueller Civey-Umfrage mit 20 Prozent knapp vor CDU (19) und AfD (18). Eine Regierung aus Linken, Grünen und SPD wäre damit möglich. Die CDU könnte aus der Regierung fliegen, während links der Mitte die stärkste Kraft sitzt. In Mecklenburg-Vorpommern droht der Union sogar ein Absturz unter zehn Prozent. Sollte das eintreffen, dann könnte die Frage nach einem Kanzlertausch zurückkehren. Und bei der SPD? Verliert Manuela Schwesig (52) ihr Ministerpräsidentenamt in Mecklenburg-Vorpommern, dürfte auch der Druck auf Klingbeil und Bas steigen.