„So einfach war Heimkino noch nie“ – Der 3500-Euro-Projektor, der sich selbst ausrichtet
Wer einen Projektor aufstellt, kennt das Ritual. Gerät ein Stück nach links, vorne etwas hoch, Bild verkleinern, wieder nach rechts. Irgendwann sind die Kanten gerade. Und wehe, jemand verschiebt anschließend den Beamer. Beim JMGO Iris Ultra Max kann man sich einen guten Teil dieser Turnübung sparen. Er sitzt in einer motorisierten Halterung, die den rund sieben Kilogramm schweren Projektor selbstständig drehen und neigen kann. Sensoren suchen nach einer geeigneten Projektionsfläche, anschließend richtet der sogenannte AI‑Gimbal das Gerät darauf aus und passt das Bild an. Horizontal kann sich der Projektor um 360 Grad bewegen, vertikal sind bis zu 150 Grad möglich.
Im Test funktionierte das verblüffend gut. Der Iris Ultra Max erkennt die Leinwand, dreht sich in ihre Richtung, zoomt das Bild auf die passende Größe und richtet es aus. Noch interessanter ist die Speicherfunktion. Mehrere Positionen lassen sich hinterlegen. Wer beispielsweise im Wohnzimmer eine Leinwand und an einer anderen Wand eine zweite Projektionsfläche hat, kann zwischen beiden wechseln. Der Projektor fährt anschließend die gespeicherte Position wieder an.
Leider versteckt JMGO diese sehr praktische Funktion ziemlich tief in den Menüs. Auf der Fernbedienung sind mehrere Schritte nötig, bis man die gespeicherten Bildpositionen erreicht. Eine eigene Taste oder wenigstens ein frei belegbarer Shortcut hätte dem Bedienkonzept gutgetan.
Überhaupt gehört die Aufstellung zu den größten Stärken des Iris Ultra Max. Sein optischer Zoom deckt ein Projektionsverhältnis von 0,88 bis 1,7:1 ab. Dadurch lässt sich dieselbe Bildgröße aus recht unterschiedlichen Entfernungen erzeugen. Hinzu kommt ein ungewöhnlich großer Lens Shift. Laut Hersteller lässt sich das Bild vertikal um bis zu ±130 Prozent und horizontal um ±53 Prozent verschieben.
Das ist wichtiger, als die Zahlen zunächst vermuten lassen. Denn Lens Shift verschiebt das Bild optisch. Der Projektor muss also nicht mit digitaler Trapezkorrektur an den Pixeln herumrechnen, nur weil er etwas seitlich oder oberhalb der Leinwand steht. Das Bild bleibt sauber und scharf.
Im Alltag macht diese Kombination aus Zoom, Lens Shift und motorisierter Ausrichtung den JMGO ausgesprochen flexibel. Ein klassischer Heimkinoprojektor möchte häufig ziemlich genau an einer bestimmten Stelle stehen. Der Iris Ultra Max lässt dem Nutzer deutlich mehr Freiheiten.
Klein ist er deshalb allerdings nicht. Rund 31 mal 23 mal 27 Zentimeter misst das Gehäuse, das Gewicht liegt bei etwa sieben Kilogramm. Auf einem Sideboard steht hier also ein ziemlich wuchtiges Stück Technik.
Die ganze Mechanik wäre wenig wert, wenn am Ende nur ein durchschnittliches Bild an der Wand landete. Hier liefert der Iris Ultra Max seine stärksten Argumente. Dabei setzt er auf drei Laser für die Grundfarben Rot, Grün und Blau. Der Hersteller gibt eine maximale Helligkeit von 6500 ISO-Lumen und einen nativen Kontrast von bis zu 10.000:1 an. In unserem Test fiel vor allem auf, wie viel Licht der Projektor auf die Fläche bringt. Selbst größere Bilder wirken ausgesprochen hell.
Damit eignet er sich auch für Wohnzimmer, die sich tagsüber nicht komplett abdunkeln lassen. Wunder vollbringt allerdings auch ein 6500-Lumen-Projektor nicht. Sonnenlicht direkt auf der Leinwand lässt weiterhin Kontrast verschwinden. Abends oder in einem abgedunkelten Raum spielt das Gerät seine Möglichkeiten deutlich besser aus.
Dann beeindruckt vor allem die Bildtiefe. Farben erscheinen kräftig und brillant, ohne ständig in jene übersättigte Bonbonoptik abzugleiten, zu der RGB-Laserprojektoren neigen können. Feine Abstufungen in dunklen Szenen bleiben sichtbar. Schwarz wirkt für einen DLP-Projektor erstaunlich satt.
Dazu trägt eine Technik bei, die bei modernen Wohnzimmerbeamern eher ungewöhnlich ist. Im Lichtweg sitzen zwei mechanische Irisblenden. Sie reduzieren auf Wunsch die Lichtmenge und verbessern damit den Schwarzwert. Das funktioniert tatsächlich. Wer abends schaut, kann einen Teil der Helligkeitsreserve gegen mehr Kontrast eintauschen.
120 Hertz sind viel mehr als Gaming
Die technische Besonderheit des Iris Ultra Max steckt jedoch woanders. Er verarbeitet und projiziert in der hohen 4K-Auflösung mit 120 Bildern pro Sekunde (Hertz) – ohne Bilder auszulassen. Zwei HDMI-Eingänge nehmen entsprechende Signale entgegen.
Auf dem Papier klingt das zunächst nach einer Funktion für Menschen, die ihre Playstation oder ihren Gaming-PC an den Beamer anschließen. Und tatsächlich ist der Unterschied beim Spielen gut zu sehen. Schnelle Bewegungen wirken klarer, Schwenks ruhiger und Eingaben sehr direkt.
Die höhere Bildrate spielt ihren Vorteil aber auch bei Sportübertragungen und Kameraschwenks in Filmen aus. Gerade auf einer zwei oder drei Meter breiten Projektionsfläche fallen Bewegungsruckler stärker auf als auf einem Fernseher. Der JMGO vermittelt hier eine ungewöhnliche Bildruhe.
Noch ein weiterer Punkt fällt auf, sobald der Film läuft: Der Iris Ultra Max hält sich akustisch bemerkenswert zurück. Das ist angesichts seiner Lichtleistung keineswegs selbstverständlich. Drei Laser und die Bildverarbeitung produzieren reichlich Wärme. Die Lüfter führen sie nach hinten ab. Das kann man mit der Hand eindeutig fühlen – aber kaum hören. Für diese Leistungsklasse arbeitet der Projektor angenehm leise. Wer direkt hinter ihm sitzt, hört die Lüftung natürlich deutlicher.
Eine Streamingbox kann in vielen Fällen in der Schublade bleiben. Google TV ist integriert, Apps reagieren flott und öffnen sich schnell. Mit vier Gigabyte Arbeitsspeicher und 64 Gigabyte internem Speicher ist der Projektor für diese Geräteklasse großzügig ausgestattet. Das passt zum Konzept. Strom anschließen, WLAN einrichten, Leinwand finden lassen und streamen. Für Spielkonsolen, UHD‑Player oder andere Zuspieler stehen die beiden 4K-120-Hertz-fähigen HDMI-Eingänge bereit, daneben gibt es einen USB-Anschluss.
Weniger überzeugend ist ausgerechnet die Fernbedienung. Für Google TV reicht ihre übersichtliche Tastenanordnung vollkommen aus. Sobald häufiger auf spezielle Projektorfunktionen zugegriffen wird, fehlt es an Direktzugriffen. Vor allem die Bildspeicher sollten schneller erreichbar sein.
Der Ton hat ein grundsätzliches Problem
Überraschend gut sind die eingebauten Lautsprecher. Zwei Chassis mit jeweils 12,5 Watt stecken im Gerät. Stimmen klingen klar, der Klang hat Volumen und selbst beim Bass kommt mehr, als man einem Projektorgehäuse zunächst zutraut. Ein Problem kann JMGO allerdings kaum konstruktiv lösen: Der Ton kommt von dort, wo der Projektor steht.
Steht er seitlich oder hinter den Zuschauern, während die Schauspieler drei Meter entfernt auf der Leinwand sprechen, passen akustisches und optisches Geschehen nicht richtig zusammen. Bei einem Film wird das angesichts der Bildqualität schnell schade.
Wer 3499 Euro für einen Heimkinoprojektor ausgibt, sollte deshalb eine Soundbar oder eine richtige Heimkinoanlage zumindest einkalkulieren. Der zweite HDMI-Anschluss unterstützt eARC, sodass sich ein externes Audiosystem unkompliziert anbinden lässt. Doch dann muss man längere Kabel im Raum verlegen.
Fazit: Der JMGO Iris Ultra Max ist einer jener Projektoren, bei denen die Komfortfunktionen im Alltag beinahe so wichtig werden wie die Bildwerte. Vor allem der motorisierte Gimbal verändert den Umgang mit einem Beamer. Leinwand suchen, hindrehen, Bild einpassen, Position speichern: So unkompliziert war ein leistungsfähiger Heimkinoprojektor bislang selten.
Dabei kann er auch bei seiner Kerndisziplin überzeugen. Das Bild ist ausgesprochen hell, kontrast- und detailreich und hat einen guten Schwarzwert. Der RGB-Laser liefert kräftige Farben. 4K mit 120 Hertz dürfte auch Gamer zufriedenstellen und macht sich auch bei Sport und schnellen Kamerabewegungen bemerkbar. Und trotz der hohen Lichtleistung bleibt das Betriebsgeräusch angenehm niedrig.
Perfekt ist der Iris Ultra Max trotzdem nicht. Das Gehäuse ist wuchtig, die nützliche Memory-Funktion liegt zu tief in den Menüs und der gute eingebaute Ton bleibt räumlich an den Projektor gebunden. Dazu kommt der Preis: 3499 Euro sind eine beträchtliche Investition.
Dieser Artikel wurde für WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.
Thomas Heuzeroth ist Wirtschaftsredakteur in Berlin. Er berichtet über Verbraucher- und Technologiethemen, Unterhaltungselektronik und Telekommunikation.