Siemens und Lufthansa Technik Defense entwickeln Patiententransportzug
Siemens Mobility und Lufthansa Technik Defense planen gemeinsam einen Patiententransportzug für militärische Evakuierungen und den zivilen Katastrophenschutz. Dazu haben beide Unternehmen im Vorfeld der Berliner Sicherheitskonferenz eine Absichtserklärung (MoU) unterzeichnet.
Der Zug soll mehr als 150 Verletzte und Erkrankte transportieren und diese während der Fahrt medizinisch versorgen können – darunter auch Intensivpatienten. Die Partner wollen ihn in Deutschland für die Bundeswehr sowie ihre NATO-Verbündeten entwickeln.
Der Zug besteht aus bewährten Vectouro-Reisezugwagen von Siemens, die mit einer Siemens Vectron X oder X Dual Mode Lokomotive kombiniert werden. Lufthansa Technik Defense rüstet die Wagen mit Systemen für Krankentragen („Litter Racks“) und vollständig ausgestatteten Intensivbetten (Patiententransporteinheiten) aus. Der Zug bietet zudem Platz für bis zu 90 medizinische und unterstützende Einsatzkräfte. Die Partner verbinden dabei ihre jahrzehntelange Erfahrung im Schienenfahrzeugbau und im medizinischen Lufttransport.
„Unsere Vectron X-Lokomotiven und Vectouro-Reisezugwagen stehen für höchste Zuverlässigkeit, Verfügbarkeit und grenzüberschreitende Interoperabilität in Europa. Gemeinsam mit Lufthansa Technik Defense entsteht eine leistungsfähige MedEvac-Lösung, die modernste medizinische Versorgung mit den Vorteilen des Schienenverkehrs verbindet. Auf Basis bewährter Technologien schaffen wir ein zukunftsfähiges Konzept für einen flexiblen, schnellen und zuverlässigen Patiententransport“, sagt Steffen Bobsien, Head of Locomotives and Coaches bei Siemens Mobility.
„Gerade in diesen herausfordernden Zeiten geopolitischer Unsicherheit ist die Fähigkeit zur medizinischen Evakuierung von hoher strategischer Relevanz, und das gilt für den Land- genauso wie für den Lufttransport“, erklärte Michael von Puttkamer, Vice President Special Aircraft Services and Defense bei Lufthansa Technik. „Mit Siemens Mobility haben wir einen starken Partner gefunden, um unsere bewährten aeromedizinischen Lösungen auch auf die Schiene zu bringen und so eine durchgängige Versorgungskette zu schaffen. So wollen wir die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr und ihrer Verbündeten weiter stärken.“
Die Medizintechnik für den Zug hat sich bereits in der Luft bewährt: Die Deutsche Luftwaffe und andere Streitkräfte nutzen die AeroMEDICAL Solutions von Lufthansa Technik seit Jahrzehnten. Unter anderem wird damit der A400M der Bundeswehr zur „fliegenden Intensivstation“.
Die gleichen standardisierten Systeme sollen auch im Zug verbaut werden, sodass Patientinnen und Patienten beim Wechsel zwischen den einzelnen Verkehrsträgern nicht umgebettet werden müssen. Die Wagen lassen sich je nach Einsatz und Betreuungsbedarf flexibel aus- und umrüsten – von der medizinischen Grundversorgung bis zur Intensivversorgung (NATO-Kategorien D1 bis D4).
Über Ländergrenzen hinweg evakuieren
Das Zugkonzept basiert auf den bewährten Plattformen: Vectron X-Lokomotiven und Vectouro-Reisezugwagen sind auf grenzüberschreitenden Einsatz ausgelegt. Die Wagen eignen sich zudem dank ihrer druckdichten Bauweise für Hochgeschwindigkeitsstrecken. So soll der Zug Patientinnen und Patienten auf den wichtigsten europäischen Bahnstrecken sicher und schnell transportieren können, ohne dass an den Grenzen ein Fahrzeugwechsel nötig wird.
Zusätzliche Flexibilität bietet die Kombination mit einer Vectron X Dual Mode-Lokomotive, die sowohl elektrisch als auch mit Dieselantrieb fahren kann. Damit bleibt der Zug auch auf nicht elektrifizierten Strecken oder bei Ausfall der Oberleitung einsatzfähig.
Flexibel und wirtschaftlich über Jahrzehnte
Ein wesentlicher Vorteil des Konzepts ist die Umrüstbarkeit zwischen zivilem Personenverkehr und Patientenevakuierung. Dies verbessert die Auslastung der Fahrzeuge und erhöht ihre Wirtschaftlichkeit über den gesamten Lebenszyklus. Die Züge sind für mehr als 30 Betriebsjahre ausgelegt und lassen sich während dieser Zeit modernisieren und an neue Anforderungen anpassen.