Crans-Montana (Schweiz) – Die Maske bedeckt ihr Gesicht. Doch sie kann nicht verbergen, was Mélanie van de Velde (32) durchgemacht hat. Zehn Monate nach der Feuer-Katastrophe von Crans-Montana, bei der 41 Menschen starben und 115 Personen verletzt wurden, zeigt sich die junge Mutter erstmals öffentlich mit ihrer Kunststoff-Gesichtsmaske. Ihre Haut ist schwer vernarbt, der Körper vom Feuer gezeichnet. Doch Mélanie ist da. Wieder einmal. Nicht nur für sich, sondern für die Opfer und ihre Familien.
Demo für die Rechte der Opfer
Am Montag haben sich mehrere Überlebende und Angehörige im schweizerischen Sitten im Kanton Wallis versammelt. Anlass ist die erneute Befragung von Barbesitzer Jacques Moretti (50). Er soll sich erneut den Fragen der Staatsanwaltschaft stellen. Vor dem Gebäude erinnern Plakate an die 41 Toten und 115 Verletzten der Katastrophe. Unter denen, die gekommen sind: Mélanie.
40 Prozent von Mélanies Haut sind verbrannt
Was für andere ein Gang zu einem Termin ist, kostet sie noch immer Kraft, bedeutet Schmerzen und Überwindung. Rund 40 Prozent ihrer Haut wurden in jener Nacht verbrannt. Transplantationen, Verbände, Orthesen und Kompressionskleidung bestimmten danach ihr Leben. Im Frühjahr beschrieb sie ihren Kampf gegenüber BILD mit einem Satz, der heute noch stärker wirkt: „Ich bin Mélanie. Ich lebe.“
Am 1. Januar 2026 war sie aus der brennenden Bar „Le Constellation“ entkommen. Nur knapp. „Ich sah den Tod. Ganz nah“, sagte sie später. Fast zwei Monate musste die Mutter getrennt von ihrer zweijährigen Tochter verbringen. Sie lernte ihren Körper neu kennen. Erst 150 Schritte am Tag, später 4000. Ein T-Shirt anziehen, etwas vom Boden aufheben, Treppen steigen: Aus Selbstverständlichkeiten wurden Siege. Jetzt steht sie wieder da.
Die Maske in ihrem Gesicht macht sichtbar, dass der Horror nicht mit dem Löschen des Feuers endete. Die Narben bleiben. Die Schmerzen bleiben. Und die Fragen bleiben. Auch deshalb schweigt Mélanie nicht. Schon im April sagte sie: „Ich bitte nicht um Mitleid. Ich bitte darum, nicht vergessen zu werden.“
Genau dafür kämpft sie weiter: für Erinnerung, für Antworten, für die Rechte der Opfer. Auch andere Angehörige machten vor der Anhörung deutlich, dass sie Antworten verlangen. „Wir sind hier für unsere Kinder. Wir werden sie nicht aufgeben“, sagte Astrid Panine, deren Tochter bei dem Feuer starb.
Mélanies Körper wird die Spuren dieser Nacht wohl für immer tragen. Doch aus der Frau, die nach dem Inferno sagte, sie lebe nicht mehr, sondern überlebe nur noch, ist auch eine Kämpferin geworden. Schwer gezeichnet. Aber nicht gebrochen.