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London – An den Tankstellen zahlen Autofahrer weiter mehr als 2 Euro pro Liter. Beim Ölriesen Shell dagegen sprudeln die Milliarden. Der britische Energiekonzern verdiente im 2. Quartal bereinigt 9,8 Milliarden Dollar. Das ist mehr als doppelt so viel wie vor 1 Jahr und der höchste Quartalsgewinn seit Anfang 2023. Analysten hatten lediglich mit 8,7 Milliarden Dollar gerechnet.

Ausgerechnet der Preisschock auf den Energiemärkten bescherte Shell das glänzende Ergebnis. Durch den Iran-Krieg gerieten die Öl- und Gasmärkte heftig ins Wanken. Für Verbraucher bedeutete das hohe Preise. Für Shell bedeutete es beste Geschäfte.

Shell verdient am Raffinerie-Boom

Besonders kräftig kassierte der Konzern im Raffineriegeschäft. Benzin, Diesel und andere Kraftstoffe verteuerten sich auf den internationalen Märkten deutlich stärker als Rohöl. Die Folge: Die Gewinnspannen der Raffinerien schossen nach oben. Auch die Energiehändler von Shell profitierten von den starken Preisschwankungen. Sie kaufen und verkaufen Öl und Gas rund um den Globus und verdienen besonders gut, wenn die Märkte verrücktspielen.

Autofahrer warten auf Entlastung

An den deutschen Zapfsäulen ist von einer kräftigen Entlastung dagegen wenig zu spüren. Am Mittwoch kostete Super im bundesweiten Durchschnitt 2,18 Euro pro Liter. Super E10 lag bei 2,12 Euro, Diesel bei 2,18 Euro. Dabei ist der Rohölpreis zuletzt deutlich gesunken. Doch bei den Autofahrern kommt davon bislang kaum etwas an. Der ADAC kritisiert, die Kraftstoffpreise bewegten sich „bereits seit Wochen auf einem zu hohen Niveau“.

Autofahrer zahlen drauf, Shell belohnt seine Aktionäre

Seit Beginn des Iran-Kriegs verteuerten sich Benzin und Diesel massiv. Eine Tankfüllung mit 50 Litern kostet aktuell grob 17 bis 21 Euro mehr als vor Ausbruch des Konflikts. Während Millionen Autofahrer bei jedem Tankstopp draufzahlen, schüttet Shell weitere Milliarden an seine Aktionäre aus: Der Konzern kauft auch im laufenden Quartal für 3 Milliarden Dollar eigene Aktien zurück. Zwar traf der Krieg auch Shell: Wegen der Störungen in Katar sank die Produktion im Gasgeschäft um rund 30 Prozent. Doch das starke Geschäft mit Raffinerien und Energiehandel machte die Ausfälle mehr als wett.