TTS-Player überspringenArtikel weiterlesen

Paris – Seit Jahrzehnten streiten Historiker über eine der größten Fragen der französischen Geschichte: Wo lag eigentlich Lutetia, die Stadt, aus der Paris erwuchs? Jetzt könnte die Antwort direkt unter den Füßen von Millionen Touristen gefunden worden sein.

Archäologen haben mitten im Herzen der französischen Hauptstadt die Überreste einer mehr als 2000 Jahre alten Befestigungsanlage entdeckt. Der Fund nahe der Kathedrale Notre-Dame könnte den bislang stärksten Hinweis liefern, dass das legendäre gallische Lutetia tatsächlich auf der Seine-Insel Île de la Cité lag. Gefunden wurde ein rund 20 Meter langes Stück einer Mauer aus Holz und Stein unter dem traditionsreichen Krankenhaus Hôtel-Dieu. Nach Angaben des französischen Kulturministeriums stammt die Anlage aus der Zeit zwischen 200 und 10 vor Christus.

Schon Cäsar berichtete von einer Insel in der Seine

Zwar beschrieb Julius Cäsar die Siedlung des gallischen Stammes der Parisii einst als eine Stadt auf einer Insel in der Seine. Doch ob das tatsächlich die heutige Île de la Cité war, blieb bislang umstritten. Einige Forscher vermuteten das ursprüngliche Lutetia stattdessen westlich von Paris, auf dem Gebiet des Vororts Nanterre, um den sich vor 2000 Jahren mutmaßlich zwei Seine-Arme wanden.

Der neue Fund könnte diese Debatte nun entscheidend verändern. Frankreichs Kulturministerin Catherine Pégard (72) spricht von einem möglichen „großen Durchbruch“ bei der Suche nach den Ursprüngen der Stadt. Erstmals könnte sich eine direkte Verbindung zwischen dem heutigen Paris, dem antiken Lutetia der Römer und dem von Cäsar beschriebenen gallischen Ort herstellen lassen.

Auch Brandspuren machen die Entdeckung spannend. Sie passen zu den Berichten Cäsars über die Kämpfe zwischen Galliern und Römern. Demnach sollen die Gallier vor einer Schlacht Teile ihrer Siedlung selbst angezündet haben, um sie nicht dem Feind zu überlassen. Um das Jahr 52 vor Christus eroberten Cäsars Truppen das antike Lutetia.

Der wahrscheinlich älteste Baustein der Stadt Paris

Für Millionen Comic-Fans hat die Entdeckung aber noch einen ganz eigenen Reiz. Denn Leser von Asterix kennen Lutetia längst. In mehreren Bänden reisen die Helden in die damalige Hauptstadt Galliens. Dort lebt bekanntlich Homöopatix, der stinkreiche Schwager von Dorfchef Majestix, zusammen mit seiner Frau Galantine. Ihre Stadtresidenz liegt nach der Comic-Logik auf der Seine-Insel, also genau an jener Stelle, an der Archäologen nun graben.

Noch mahnen die Forscher zur Vorsicht. Weitere Untersuchungen sollen klären, ob die Mauer tatsächlich Teil der legendären gallischen Befestigung war. Sollte sich der Verdacht jedoch bestätigen, wäre das eine kleine Sensation: Der wahrscheinlich älteste Baustein der Stadt Paris hätte mehr als zwei Jahrtausende verborgen direkt neben Notre-Dame im Boden gelegen.

Und Asterix-Fans könnten sagen: Wir haben es schon immer gewusst. Beim Teutates!