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Berlin – Ein Video sorgt derzeit auf X für Aufsehen: Ein Mann fährt mit einem Fahrrad über eine Straße, als sich eine Russen-Drohne nähert. Der Radfahrer bemerkt die Drohne, reagiert und versucht offenbar auszuweichen. Kurz darauf kommt es zum Einschlag. Der Account „CaolanReports“ eines ukrainischen Aktivisten (über 150.000 Follower) verbreitete den Inhalt und schrieb dazu, ein „Junge“ sei nahe Kramatorsk getötet worden.

Das Video selbst ist nach dem derzeitigen Kenntnisstand sehr wahrscheinlich echt. Die Aussage über den Tod des Mannes ist dagegen nicht belegt. Ein wichtiger Punkt bei der Überprüfung ist die Herkunft der Aufnahme.

Russen löschen Video wieder

Das Video wurde offenbar zunächst von russischer Seite veröffentlicht. Nach den vorliegenden Berichten verbreitete der Telegram-Kanal der russischen 3. Armee die Aufnahme und stellte den Angriff als Treffer gegen „feindliche Kräfte“ dar. Der Beitrag wurde von den Putin-Schergen später gelöscht. Das Video war zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits von anderen Accounts übernommen worden.

Damit ist die Herkunft des Materials nachvollziehbar. Es handelt sich offenbar nicht um ein Video, das erst durch ukrainische oder westliche Accounts in Umlauf gebracht wurde. Hinweise auf ein KI-generiertes oder manipuliertes Video gibt es derzeit ebenfalls nicht. Prof. Dr. Joachim Krause, Experte für Internationale Politik, spricht gegenüber BILD nach Ansicht des Videos von der „totalen Verrohung des russischen Militärs“.

Wer war der Mann?

Zu sehen ist ein einzelner Radfahrer auf einer Straße im Raum Kramatorsk in der Region Donezk. Der Mann trägt auf den ersten Blick zivile Kleidung. Eine Waffe oder eindeutig militärische Ausrüstung ist auf der Aufnahme nicht deutlich genug zu erkennen.

Das Video zeigt damit sehr deutlich einen Drohnenangriff. Es zeigt jedoch nicht, wer der Mann war. Aus der Aufnahme allein lässt sich weder seine Identität noch sein Alter feststellen. Auch die Frage, ob er Zivilist oder gar ein ukrainischer Drohnen-Pilot in Frontnähe war, kann derzeit nicht abschließend beantwortet werden.

Unterschiedliche Darstellungen

Die russische Darstellung bezeichnete die getroffene Person wenig überraschend als Angehörigen „feindlicher Kräfte“. Einen unabhängigen Beleg dafür gibt es bislang nicht. Die ukrainische Seite spricht dagegen von einem Zivilisten. Nach Angaben der Donezker Regionalstaatsanwaltschaft wurde ein Zivilist auf einem Fahrrad durch eine FPV-Drohne angegriffen und verletzt – also nicht getötet. Wie schwer die Verletzungen sind, ist unklar.

Selenskyj spricht von „Drohnen-Safari“

Ukraine-Präsident Wolodymyr Selenskyj (48) sprach zuletzt von einer brutalen „Safari“, mit der Russland gezielt Jagd auf Menschen mache. Das habe „längst die Grenzen dessen überschritten, was sich ein normaler Mensch überhaupt vorstellen kann“, so der Staatschef.

Und weiter: „Das ist der Alltag in den ukrainischen Gebieten nahe der Front.“ Besonders in Cherson beklagen die Behörden immer wieder solche „Drohnen-Safaris“. Selenskyj kritisierte, dass die Verbündeten der Ukraine „noch zögern, zusätzliche Lieferungen von Schutzausrüstung bereitzustellen“. Er forderte zudem einmal mehr: „Es muss Druck auf den Aggressor ausgeübt werden. Die Verteidiger des Lebens brauchen Unterstützung.“