Moskau – Es ist der bislang wohl größte Drohnenangriff der Ukraine auf die russische Hauptstadt. Auch wenn die russische Flugabwehr rund 180 Drohnen abwehren konnte, trafen doch etliche ihre Ziele: Eine der wichtigsten Ölraffinerien des Landes wurde getroffen, schwarze Rauchwolken hängen über der Stadt. Und die Ukraine geht weiter in die Offensive. Präsident Wolodymyr Selenskyj (48) droht offen mit weiteren massiven Angriffen: „Wenn die Ukraine brennt, wird auch Moskau brennen!“
Selbst Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin (67) hatte am Morgen von einem „Großangriff“ auf die Hauptstadt gesprochen, bestätigte in einem Statement auf „Telegram“: „Mehrere Drohnen haben es geschafft, (die Raffinerie) MNPZ zu treffen.“ Südlich von Moskau wurde ein Hochhaus getroffen, ein Einkaufscenter brannte. Auch dass alle Flughäfen der Hauptstadt und wichtige Schnellstraßen wegen der Angriffe gesperrt werden mussten, gaben die russischen Behörden zu. Wie hoch die Schäden sind, ist unklar. Sie müssen enorm sein, unabhängige Beobachter gehen von mindestens 5 Treffern in der Raffinerie aus. Augenzeugen berichten sogar von Öl-Regen über Moskau.
Ukraine-Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnete die Angriffe als „Langstrecken-Sanktionen“ gegen Russland, sie seien eine „völlig gerechtfertigte Antwort“ auf russische Angriffe. Gleichzeitig drohte er mit weiteren, massiven Angriffen auf Moskau, sollte Russland seinen Krieg fortsetzen. „Wir wollen diesen Krieg nicht, wir haben ihn nie gewollt, und jeder weiß das.“ Doch wenn die Ukraine brenne, werde auch Moskau brennen, sagte Selenskyj in einer am Donnerstag an Journalisten verschickten Sprachnachricht.
Während Moskau brennt, lächelt Kriegstreiber Wladimir Putin (73) bei seinem Südostasien-Gipfel in Kasan gequält in die Kameras. In seiner Eröffnungsrede erwähnte er die Angriffe mit keinem Wort. Für ihn kam der Angriff zur Unzeit. Eigentlich wollte er rund 700 Kilometer vom Kreml entfernt in Kasan als Gastgeber glänzen. Sein Treffen mit den Asean-Staaten (u.a. Vietnam, Thailand, Kambodscha) ist eine Art Gegen-Gipfel zum G7-Treffen im französischen Évian, bei dem sich zuletzt auch Donald Trump von Putin abzuwenden schien.
Besonders bitter für Putin: Ähnliche Attacken wie jetzt auf Moskau hatte die Ukraine Anfang des Monats schon auf seine Geburtsstadt St. Petersburg ausgeführt, als dort ein internationales Wirtschaftsforum stattfand. Damals hatte Putin versprochen, die russische Luftabwehr zu stärken – offensichtlich ist das bisher noch nicht gelungen.