TTS-Player überspringen↵Artikel weiterlesen

Absberg (Bayern) – Wilde Verfolgungsjagd, Schüsse auf Polizeibeamte und ein mutmaßlicher Bandenchef auf der Flucht: Am Landgericht Ansbach hat der Prozess gegen Firat C. (25) und Gökhan E. (24) begonnen. Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden türkischen Staatsangehörigen versuchten gemeinschaftlichen Mord vor. Unter massiven Sicherheitsvorkehrungen führten schwer bewaffnete Polizisten die Angeklagten in den Gerichtssaal. Beide waren an Füßen und Händen gefesselt.

Nach Überzeugung der Ermittler gehören die Männer der kriminellen Gruppierung „Daltons“ an, die dem türkisch-kurdischen Mafia-Milieu zugerechnet wird. Der Gruppe werden unter anderem extreme Gewaltbereitschaft, Schutzgelderpressung, Brandstiftung und Schusswaffendelikte zugeschrieben.

Ramm-Attacke auf Polizeisperre – dann fallen Schüsse

Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft wollten die Beamten eine Wohnung durchsuchen, als die Verdächtigen den Polizeieinsatz bemerkten. Gegen 17 Uhr stiegen sie in einen Mercedes der A‑Klasse. Gökhan E. saß am Steuer, Firat C. auf dem Beifahrersitz.

Dann eskalierte die Situation: Der Fahrer soll einen zivilen VW-Bus der Polizei gerammt haben, der an einer Straßensperre in Absberg (Bayern) stand. Anschließend raste der Mercedes davon. Als Zivilfahnder die Verfolgung aufnahmen, soll sich Firat C. aus dem Beifahrerfenster gelehnt und mehrfach auf die zivilen Einsatzfahrzeuge des Spezialeinsatzkommandos (SEK) geschossen haben. Ein Projektil traf die Motorhaube eines Polizeiwagens.

Die Flucht endet im Kreisverkehr

Bei der rasanten Flucht verlor Gökhan E. nach Angaben der Ermittler wegen der hohen Geschwindigkeit die Kontrolle über den Mercedes. Das Fahrzeug krachte in einen Seat. Der Mercedes war danach nicht mehr fahrbereit. Für die beiden Männer war die Flucht damit beendet: Sie wurden von den Einsatzkräften festgenommen.

Im Prozess geht es nun vor allem um die Frage, mit welcher Absicht die Schüsse abgegeben wurden. Die Anklage geht davon aus, dass die Schüsse Teil eines gemeinsamen Tatplans waren. Demnach sollen die Angeklagten den Haschischhandel der Gruppierung abgesichert und ihrem mutmaßlichen Anführer Ali T. die Flucht ermöglicht haben. Nach Auffassung der Staatsanwaltschaft nahmen die beiden bei jeder Schussabgabe zumindest billigend in Kauf, einen Polizisten in den verfolgenden Fahrzeugen zu töten. Auch den Tod unbeteiligter Verkehrsteilnehmer hätten sie in Kauf genommen.

Mutmaßlicher Anführer entkommt

Nach Angaben der Ermittler gelang Ali T. während des Einsatzes tatsächlich die Flucht. Firat C. ließ im Prozess über seinen Verteidiger eine schriftliche Erklärung verlesen. Darin räumte er die Schüsse ein, erklärte jedoch, er habe lediglich das verfolgende Fahrzeug fahruntüchtig machen wollen. „Ich wollte keinen Insassen treffen“, hieß es in seiner Stellungnahme. Zudem habe er nicht gewusst, dass es sich bei den Verfolgern um Polizeibeamte handelte. Vielmehr sei er davon ausgegangen, dass seine Feinde ihn angreifen wollten. „Ich war überzeugt, dass es sich um einen Anschlag meiner Feinde handelt“, verlas der Verteidiger aus dem Schreiben seines Mandanten.