TTS-Player überspringenArtikel weiterlesen

Rathen (Sachsen) – Ein Unwetter fegte am Freitagabend über die Sächsische Schweiz. Ein Mann (28) wurde auf dem Basteiweg von einem umgestürzten Baum getroffen und tödlich verletzt. Das Gewitter hinterließ auch am Amselsee eine Spur der Verwüstung: umgestürzte Bäume, zerbrochene Äste, meterhohe Holzberge. Das beliebte Ausflugsziel ist kaum wiederzuerkennen. Besonders hart traf es die Wanderrast und den Bootsverleih von TV-Köchin Verena Leister (33, „The Taste“).

Wo sonst Wanderer einkehren, Familien eine Pause einlegen und Urlauber Boote über den See steuern, ist derzeit alles lahmgelegt. Die Uferwege sind blockiert, Stege beschädigt, zwischen den Stämmen ragen nur noch Teile der Hütte und des Bootsverleihs hervor. Betreiberin Verena Leister zeigt in sozialen Netzwerken die Bilder der Zerstörung. Ihre Worte machen deutlich, wie groß der Schock ist: „Heute fehlen uns die Worte“, sagt sie zu BILD.

Imbiss unter Bäumen begraben

Die Gewitterzelle traf den Amselsee „mit voller Wucht“. Die beliebte Imbisshütte wurde unter gewaltigen Baumstämmen begraben, auch der Bootsverleih wurde schwer beschädigt. Leister spricht von einer „unvorstellbaren Zerstörung“.

Für die TV-Köchin ist die Lage dramatisch. Sie rechnet damit, ihre Wanderrast und den Bootsverleih in dieser Saison sehr wahrscheinlich nicht mehr öffnen zu können. Ausgerechnet mitten in der Hochsaison droht damit das vorzeitige Aus.

Gäste wollen helfen – doch es ist zu gefährlich

Dabei ist die Anteilnahme riesig. Nach den ersten Bildern meldeten sich zahlreiche Gäste und Stammkunden mit Hilfsangeboten. Viele wollten beim Aufräumen helfen. Doch Leister musste die Unterstützung ablehnen.

Der Grund: Die Gefahr ist zu groß. Umgestürzte Bäume stehen unter enormer Spannung, sind ineinander verkeilt oder könnten jederzeit nachgeben. „Alles andere wäre lebensgefährlich“, warnt die Betreiberin. Die Arbeiten können nur von Spezialfirmen mit schwerem Forstgerät durchgeführt werden.

Ein Toter, drei Schwerverletzte

Das Unwetter richtete jedoch nicht nur an der Wanderrast gewaltige Schäden an. In Rathen kam ein 28-jähriger Mann ums Leben, als auf dem Basteiweg ein Baum auf ihn stürzte. Drei weitere Menschen wurden schwer verletzt. Zehn Personen mussten medizinisch versorgt werden, 40 Menschen wurden in Sicherheit gebracht.

Auch Rathens Bürgermeister Roman Rolof (Freie Wähler) spricht von einem „Bild der Verwüstung“. Die Schäden rund um den Amselsee und die Schwedenlöcher sind enorm.

Am Tag nach einem schweren Unwetter besuchte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (51, CDU) den Unglücksort in der Sächsischen Schweiz: „Die Sächsische Schweiz liegt mir sehr am Herzen. Ich leide mit den Menschen“, sagte der Politiker in Rathen. Er sei in Gedanken bei dem Mann, der ums Leben kam, und dessen Familie. „Das tut schon weh, das zu erleben, und jeder von uns weiß auch, wo diese Stelle gewesen ist und wie das gewesen sein muss. Das ist sehr, sehr tragisch“, sagte Kretschmer.

Betretungsverbot für betroffene Waldgebiete

Die Gewitterzelle traf auch die Eisenbahnwelten Rathen schwer. Das Team berichtet auf Facebook von erheblichen Schäden an der Anlage. Immerhin gibt es auch eine gute Nachricht: „Es wurde glücklicherweise niemand aus unserem Team verletzt. Auch unsere Gäste waren nicht betroffen, da die Anlage zum Zeitpunkt des Unwetters bereits geschlossen war.“

Trotz der Schäden zeigen sich die Betreiber der Miniaturwelt kämpferisch. Sie hoffen, ihre Anlage schon bald wieder für Besucher öffnen zu können.

Um die Sicherheit zu gewährleisten, gilt ab sofort ein striktes Betretungsverbot für die betroffenen Waldgebiete rund um den Amselgrund zwischen Bastei, Rathen, Hohnstein und dem Polenztal in der Sächsischen Schweiz. Sachsenforst warnt vor akuter Lebensgefahr durch umgestürzte Bäume, lose Äste und instabile Waldflächen.