Wien – In der österreichischen Hauptstadt Wien stellte sich AfD-Chefin Alice Weidel (47) am Sonntagnachmittag im ZDF-Sommerinterview den Fragen von Wulf Schmiese (59). Nach dem Protest-Eklat beim ARD-Sommerinterview im vergangenen Jahr, das von linken Störern begleitet wurde, verlief die Aufzeichnung dieses Mal ruhig. Dafür ging es inhaltlich teils chaotisch zu.
Nachdem Weidel diverse Themen anschnitt (raus aus dem Euro, alle Syrer zurückführen), gab sie ihre Einschätzung über Mitglieder der Bundesregierung zum Besten. „Ich will nicht mehr angelogen werden, von irgendwelchen Flachzangen, die da oben sitzen“, polterte Alice Weidel und legte nach, wen sie damit meinte: „Entweder sie können es nicht oder es ist Vorsatz. Herr Merz kann es nicht. Herr Klingbeil kann es auch nicht.“ Immer wieder warf Weidel CDU und SPD vor, die Menschen zu täuschen. „Die Menschen in diesem Land werden über den Tisch gezogen.“
„Flachzangen“ respektlos?
Moderator Schmiese ließ das so nicht stehen: „Ich habe eine Frage zu ihrer Rhetorik, Flachzangen da oben. Ich finde, das klingt für viele Leute respektlos. Was immer man von der anderen Seite hält (…) Wenn Sie Kanzlerin werden wollen, dann müssen Sie ein Land einen und zusammenhalten. Es gelingt Ihnen noch nicht einmal, den größten Landesverband der AfD zusammenzuhalten.“
Schmiese nennt den Fall eines AfD-Abgeordneten, der Weidel als „Alice Merkel“ bezeichnet hatte und jetzt ein Parteiordnungsverfahren am Hals hat wegen „eines Angriffs auf die persönliche Ehre der Bundessprecherin“. Diese Bezeichnung „geht natürlich auch gar nicht“, sieht sich Weidel im Recht. Darauf Schmiese: „Die Frau, die andere Flachzangen und Schlimmeres nennt, ist also beleidigt, wenn sie jemand Alice Merkel nennt? Sagen Sie, was ist das denn für ein mimosenhaftes Verhalten?“ Weidel darauf: „Ich bin doch gar nicht beleidigt, ich bin richtig froh.“ Und moderiert das Thema dann ab mit dem Satz, die Menschen würden sich nicht für parteiinterne Streitereien, sondern für sichere Straßen, Arbeitsplätze und Renten interessieren.
AfD hat kein Rezept für die Autokrise
Neben diesem Schlagabtausch kam ein echtes Gespräch über andere Themen der Politik zwischen Weidel und ZDF-Mann Wulf Schmiese (59) kaum zustande. Schmiese wollte von der AfD-Chefin wissen, wie die AfD deutsche Autos, insbesondere Verbrenner, auf dem chinesischen Markt wieder erfolgreich machen will? Weidel keilte gegen das Verbrenner-Aus, EU-Vorgaben und staatliche Subventionen für E‑Autos, die am Ende den Chinesen zugute kämen. Ein Rezept, wie deutsche Hersteller verlorene Marktanteile in China zurückgewinnen könnten, blieb sie schuldig. Der Rest ging in einem unverständlichen Durcheinander unter.
Deutlich konkreter wurde Weidel bei der Migration. „Die Syrer werden alle zurückgeführt in ihre Heimat“, so die AfD-Chefin und kündigte an: „Auch Afghanen werden nicht mehr eingeflogen.“ Auf Schmieses Hinweis, dass dafür Rücknahmeabkommen mit Syrien und Afghanistan nötig wären, ging Weidel nicht ein. Stattdessen sprach sie von einer gescheiterten Migrationspolitik seit 2015. Und monierte, dass zuletzt allein 306.000 arbeitslose Syrer eingebürgert worden seien. Damit müsse Schluss sein.
Viel Streit, viele Spitzen – wenig Klarheit
Fazit: Viel Streit, viele Spitzen, wenig Klarheit. Schmiese unterbrach Weidel immer wieder. Weidel verlor sich oft in Grundsatzvorträgen und wich besonders bei der Frage nach den Zukunftschancen deutscher Autobauer auffällig aus. Statt konkreter Lösungen gab es Generalabrechnungen mit CDU, SPD, Brüssel und dem politischen System. So geriet das Sommerinterview phasenweise zu einem hektischen Wortgefecht, bei dem mehr übereinander als miteinander gesprochen wurde. Die großen Überschriften lieferte Weidel zwar reichlich, die großen Antworten deutlich seltener.
Auch Chrupalla wenig konkret und ausweichend
Ähnlich auch das ARD-Sommerinterview mit AfD-Co-Chef Tino Chrupalla (51). Statt konkreter Regierungspläne für Sachsen-Anhalt dominierten Debatten über den Klimawandel, zweifelhafte Manipulationsvorwürfe bei der Briefwahl in Pflegeheimen, Bürgerwehren und frühere Verbindungen von AfD-Mitarbeitern ins rechtsextreme Milieu.
Chrupalla verteidigte dabei umstrittene Aussagen seines Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund, ohne konkrete Belege für angebliche Unregelmäßigkeiten bei Wahlen vorzulegen. Wie schon bei Weidel entstand über weite Strecken der Eindruck eines zähen Schlagabtauschs: Die Moderatoren fragten beharrlich nach, die AfD-Spitze antwortete häufig ausweichend, verlor sich in Grundsatzkritik an Regierung und politischem System und blieb bei vielen Nachfragen konkrete Lösungen schuldig.