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Berlin – Alarmruf aus den Arztpraxen! Kassenärzte-Chef Andreas Gassen (64) fordert vom neuen Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (48, CDU) einen radikalen Neustart bei der Gesundheitsvorsorge. Sein Befund ist vernichtend: Deutschland stehe bei der Prävention von Krankheiten „schlecht da, die Menschen hier sind im internationalen Vergleich häufig dicker, rauchen mehr und treiben weniger Sport“.

Für Gassen ist klar: Hier müsse Linnemann dringend ansetzen. Zwar würden sich Erfolge erst in Jahrzehnten zeigen – doch ohne Kurswechsel drohten die Gesundheitsprobleme weiter zuzunehmen.

Besonders Kinder will der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung stärker in den Fokus rücken. „Notwendig wäre es, viel stärker in Kitas und Schulen zu gehen, damit die Kleinen früh lernen, sich gesund zu ernähren, sich viel zu bewegen und aus selbstzerstörerischen Konsummustern rauszukommen“, sagt er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Zugleich fordert er: „Dafür müsste auch der öffentliche Gesundheitsdienst gestärkt werden. Das Versprechen aus der Corona-Zeit wurde aber nicht eingelöst.“

Deutlich mehr Steuern auf Tabak und Alkohol

Auch bei Tabak und Alkohol verlangt Gassen deutlich härtere Maßnahmen. Die von der Bundesregierung beschlossene Steuererhöhung um 20 Prozent hält er für unzureichend. Das sei wohl eher darauf angelegt, „die Staatseinnahmen zu erhöhen“. Sein Rezept: „Um die Menschen vom Rauchen und übermäßigen Trinken abzubringen, wären deutlich höhere Preise notwendig. Bei der Flasche Wodka hätten es fünf oder zehn Euro mehr sein müssen.“

Selbst zwei Euro mehr pro Zigarettenschachtel reichen dem Ärztevertreter nicht. „Da hätte der Staat lieber mal ordentlich zulangen sollen. Denn wenn sie sich das nicht leisten können, lassen junge Menschen idealerweise die Finger davon. Wenn der Staat dann weniger Steuern einnimmt, umso besser: Die Gesundheitskosten werden rapide sinken.“

Harte Kritik an Nina Warken

Besonders scharf fällt Gassens Urteil über Linnemanns Vorgängerin Nina Warken (47, CDU) aus. Ihre angekündigte Präventionsoffensive zerreißt der Ärztechef regelrecht. „Eine Präventionsoffensive zu starten, eine Woche nachdem die Regierung das Sparpaket durch den Bundestag geprügelt hat, das zu weniger Vorsorgeuntersuchungen führen wird, wirkt schon fast zynisch.“ Außerdem fehle jede überzeugende Idee, wie Prävention tatsächlich gestärkt werden solle. Deshalb komme ihm Warkens Offensive „schon etwas wie eine Alibiveranstaltung vor“.