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Stuttgart – Spektakuläre Wende im Prozess gegen die BMW-Fahrerin (71), die bei der Fußball-EM einen Motorrad-Polizisten totfuhr. Der Richter bezweifelt, dass die Seniorin nur versehentlich eine Absperrung ignoriert hatte. Jetzt droht ihr eine Verurteilung wegen Mordes!

Am 24. Juni 2024 sollte der Stuttgarter Motorrad-Polizist Thomas Hohn (†61) den ungarischen Premier Viktor Orbán zum Flughafen eskortieren. Doch BMW-Fahrerin Alrun R. (damals 69) scherte aus der Schlange der wartenden Autos aus, bog trotz Sperrung durch ein abgestelltes Dienstmotorrad in eine Kreuzung ein. Dort rammte sie Hohn, der mit rund 70 km/h unterwegs war, von seiner Maschine. Der Hauptkommissar und bundesweit anerkannte Experte für illegales Auto-Tuning starb im Krankenhaus.

Richter sieht „bedingten Vorsatz“

Am Amtsgericht wurde Alrun R. lediglich wegen fahrlässiger Tötung zu 15 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Doch in der Berufungsinstanz hat sich der Vorsitzende Richter Dr. Johannes Steinbach (51) die Fotos und Zeugenaussagen noch einmal genau angesehen – und kommt zu einem ganz anderen Schluss. Er hält es für möglich, dass die Rentnerin das Warten satt hatte und „mit bedingtem Vorsatz“ handelte – also den Tod des Polizisten billigend in Kauf nahm. Als Alrun R. das abgestellte Polizeimotorrad passierte, zeigte ihre Ampel grün. Sie hält sich für unschuldig, fordert Freispruch.

Verteidiger hält Richter für befangen

Jetzt wird der Prozess womöglich an einer Schwurgerichtskammer des Landgerichts Stuttgart neu aufgerollt. Sollten die Richter dort tatsächlich von Vorsatz ausgehen, könnte Alrun R. wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt werden. Verteidiger Dubravko Mandic (46) will das unter allen Umständen verhindern. Er hat gegen Richter Steinbach einen Befangenheitsantrag gestellt. Die Entscheidung darüber soll am Donnerstag verkündet werden.

Polizist war beliebt und anerkannt

Tragisch: Motorrad-Polizist Hohn hatte speziell für die Fußball-EM seine Pensionierung verschoben. Der Kommissar wurde sogar von denen respektiert, die er kontrollierte – etwa Auto-Posern. In Vorträgen engagierte sich Hohn gegen Motorradlärm. Innenminister Thomas Strobl nahm gemeinsam mit 1000 Polizisten und Kollegen an einem Schweigemarsch durch Stuttgart teil.