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Rheinmetall sucht den direkten Konkurrenzkampf mit TKMS

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Rheinmetall will eine komplett neu entwickelte Fregatte unter der Bezeichnung GMF140 auf den Markt bringen. „Mit einer Länge von 140 Metern und einer Verdrängung von mehr als 6000 Tonnen wurde die GMF140 speziell für die sich wandelnden Anforderungen der Nato sowie verbündeter Marinen entwickelt und deckt das gesamte Einsatzspektrum moderner maritimer Operationen ab“, teilte Rheinmetall am Montag mit. „Rheinmetall adressiert mit der GMF140 die internationalen Märkte und beabsichtigt, sie zunächst im Rahmen eines Beschaffungsvorhabens in Nordamerika anzubieten.“

Im März hatte Rheinmetall die Marinerüstungssparte NVL von der Bremer Lürssen-Gruppe übernommen. Das wichtigste Projekt dieser Übernahme scheiterte aber bereits Ende Juni. Das Bundesverteidigungsministerium stellte die Beschaffung von sechs auf die U-Boot-Abwehr spezialisierten Fregatten des Typs F126 ein. NVL – und später die neue Rheinmetall-Division Naval Systems – wollten die F126 als Generalunternehmer vom niederländischen Unternehmen Damen Naval übernehmen. Damen Naval war seit der Auftragserteilung durch den Bund im Jahr 2020 daran gescheitert, den Bau der sechs jeweils 166 Meter langen und 10.000 Tonnen schweren Großkampfschiffe zeitgerecht voranzutreiben. Der eigentliche Stahlbau und die gesamte Ausrüstung sollte dabei auf den deutschen Werften Peene in Wolgast, German Naval Yards in Kiel und Blohm+Voss in Hamburg stattfinden.

Rheinmetall allerdings gelang es nicht, das Projekt an sich zu ziehen. Aus Sicht des Bundesverteidigungsministeriums wäre eine damit verbundene Kostensteigerung von den zuvor genannten zehn Milliarden Euro auf 18 Milliarden Euro nicht mehr vertretbar gewesen. Das Verteidigungsministerium will nun zunächst vier, später bis zu acht Fregatten des Typs F128 beim Marinerüstungskonzern TKMS beschaffen, zum Gesamtpreis von rund zwölf Milliarden Euro für acht Schiffe. Die F128 sind mit rund 4000 Tonnen und 121 Metern Länge wesentlich kleiner als die F126. Die F128 basiert auf der von TKMS viele Jahre lang exportierten Fregatte Meko A-200. TKMS versichert, die F128 mit modernster Bewaffnung als ein Schiff mit zur F126 vergleichbarer Leistungsfähigkeit herstellen zu können.

Für Rheinmetall stand mit dem Verlust des erhofften Generalauftrags für die F126 zunächst die Logik des gesamten Einstiegs in die Marinerüstung infrage. Seit Ende Juli geht der Konzern bei dem Thema jedoch in die Offensive. Auf der zur Division Naval Systems gehörenden Reparaturwerft in Wilhelmshaven wird für einen – wie es von Rheinmetall hieß, „Auftragswert im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich“ – die Fregatte F123 „Bayern“ umfassend modernisiert.

Mit der neuen GMF140 wiederum will Rheinmetall den Markt für kleinere Fregatten adressieren, die schneller zu bauen und modular auszurüsten sind. Damit sichert sich der Konzern mutmaßlich auch gegen das Risiko ab, dass die nächste deutsche Fregattengeneration F127 politisch infrage gestellt wird. Die zur Luftabwehr ausgerichtete F127 soll 178 Meter lang und 12.000 Tonnen schwer werden. Die derzeit offene Frage ist dabei allerdings, ob sich der Bund bei der Marinerüstung weiterhin auf solche hochkomplexen, jahrelangen Beschaffungsvorhaben einlassen will. Oder ob die Politik auf kleinere, flexibler herzustellende Einheiten umschwenkt, in enger Abstimmung mit der Deutschen Marine und der Nato.

„Die GMF140 ist für Einsätze in hochkomplexen Bedrohungsszenarien ausgelegt und vereint Fähigkeiten zur Luftverteidigung, ballistischen Raketenabwehr, U-Boot-Bekämpfung sowie zum weitreichenden Präzisionsschlag in einer hochintegrierten, digitalisierten und auf einen reduzierten Personalbedarf ausgelegten Plattform“, teilt Rheinmetall mit. „Das Schiff ist für den weltweiten Hochsee-Einsatz optimiert und eignet sich gleichermaßen für Operationen im Küstenvorfeld sowie für multinationale Einsätze im Bündnisrahmen.“

Um welches „Beschaffungsvorhaben in Nordamerika“ es sich im Rahmen der GMF140 handeln könnte, ließ Rheinmetall offen. Die USA bestellen ihre Kriegsschiffe nicht in Europa. Damit bliebe als Markt nur Kanada, das gerade zwölf U-Boote bei TKMS bestellt und auch seine Überwasser-Marinestreitkräfte umfassend modernisieren will. Allerdings hat Kanada vor einigen Jahren ein eigenes Programm von Zerstörern zur U-Boot-Jagd aufgelegt, die sogenannte „River-Klasse“. Die Europäische Union will Kanada bei Rüstungsvorhaben enger an sich binden, um ein Gegengewicht zu den unter Präsident Donald Trump erratisch und konfrontativ agierenden USA zu bilden.

„Darüber hinaus richtet sich das Angebot an weitere verbündete Marinen, die eine zukunftssichere, hochgradig interoperable Überwasserkampfeinheit suchen, die sich nahtlos in die Einsatzverbände der weltweit führenden Seestreitkräfte integrieren lässt“, teilte Rheinmetall mit. Wann das Schiff erstmals gebaut und abgeliefert werden kann, ließ der Konzern offen.

„Als Multi-Domain-Plattform verfügt die GMF140 über umfassende Fähigkeiten zur U-Boot-Abwehr. Hierzu zählen ein signaturreduzierter Schiffsrumpf, ein integriertes Akustikmanagement, Rumpf- und Schleppsonaranlagen sowie die Fähigkeit zum Einsatz bemannter und unbemannter luftgestützter Systeme europäischer oder US-amerikanischer Herkunft.“

Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit mehr als 30 Jahren unter anderem über die Marinerüstung.