Düsseldorf (NRW) – Wo sonst der Rhein mit seiner heftigen Strömung für Schwimmer lebensgefährlich ist, spazieren jetzt Menschen durchs Flussbett. Der Grund: Der Pegel ist auf ein historisches Tief gesunken. In Duisburg-Ruhrort, Düsseldorf und Köln wurden Negativrekorde gemessen. Mit dramatischen Folgen für den Schiffsverkehr.
Am Sonntagmittag zeigte der Pegel in Duisburg-Ruhrort (Nordrhein-Westfalen) nur noch 149 Zentimeter an – 2 Zentimeter niedriger als der bisherige Tiefstand vom 17. August 2022. Auch in Düsseldorf sank der Wasserstand auf ein neues Rekordtief: 21 Zentimeter. Zwei Zentimeter unter dem bisherigen Minusrekord. In Köln war bereits am Samstag ein historischer Tiefstand erreicht worden.
Frachtschiffe fahren fast leer
Die Fahrrinne ist zwar tiefer als der gemessene Pegel. Trotzdem können viele Frachtschiffe den Rhein nicht mehr voll beladen befahren. Ein Problem, das die gesamte Wirtschaft trifft. Einige nehmen nur noch etwa ein Fünftel der üblichen Ladung auf, erklärt Markus Neumann, Außenbezirksleiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Rhein. „Für die großen Tankschiffe lohnt sich das eigentlich gar nicht mehr.“
Die Ursache: lang anhaltende Trockenheit und ausbleibender Regen der vergangenen Monate. „Das führt dazu, dass der Rhein und andere Flüsse nicht genug Wasser haben“, so Neumann. Eine spürbare Besserung erwartet er in den nächsten Wochen nicht.
NRW-Verkehrsminister fordert Geld vom Bund
NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (57, Grüne) macht Druck auf die Bundesregierung. Er fordert Geld für den weiteren Ausbau der Fahrrinne zwischen Duisburg und Köln. Die Wasser- und Schifffahrtsverwaltung könne den baureifen zweiten Abschnitt zwischen Krefeld und Düsseldorf nicht umsetzen, weil die Bundesregierung 2025 die Mittel gestrichen habe, erklärt er.
Der Ausbau soll dazu beitragen, dass Schiffe bei niedrigem Wasserstand mit größerer Ladung fahren können, ohne auf Grund zu laufen. „Wir brauchen kurzfristig eine nationale Taskforce für Maßnahmen, um die Transportlage zu verbessern“, fordert er vor der Verkehrsministerkonferenz, die am Donnerstag stattfindet.
Und inzwischen haben auch Passagierschiffe Probleme. Am Schiffskonvoi beim Feuerwerksspektakel „Kölner Lichter“ beteiligten sich wegen des Niedrigwassers deutlich weniger Schiffe als geplant. Kurz vor Beginn der Veranstaltung am Samstagabend fuhr sich zudem ein Hotelschiff bei Köln fest. In Bonn stellte die Autofähre zwischen Bad Godesberg und Niederdollendorf ihren Betrieb ein.