Ärger in Kanada – „Lake Ontario“ heißt auf Webseiten der Regierung plötzlich „Lake America“
In den USA finden Nutzer des Online-Landkartendienstes Google Maps den kanadisch-US-amerikanischen Grenzsee „Lake Ontario“ künftig unter dem Namen „Lake America“. Dies führte nun in Kanada am Sonntag zu Verwirrung: Der neue Name tauchte auch auf Webseiten der Regierung der kanadischen Provinz Ontario auf.
Betroffen war unter anderem die Alkohol-Monopolbehörde LCBO. Der große globale Einkäufer bietet wegen des Handelsstreits mit den USA derzeit keinen US-Alkohol an. Der zuständige Minister Stephen Crawford erklärte auf der Kurznachrichtenplattform X, einige Behördenseiten bezögen ihre Kartendaten direkt von Google Maps. Man überprüfe nun die Webseiten, um sicherzustellen, dass der See korrekt als „Lake Ontario“ ausgewiesen werde.
Der Grund für das nun entstandene Wirrwarr ist die von US-Präsident Donald Trump kürzlich per Dekret veranlasste Umbenennung des Gewässers im Zuge des eskalierten Zollstreits mit dem Nachbarn Kanada. Die beiden Länder haben sich gegenseitig mit Zöllen auf Waren in Milliardenhöhe überzogen.
Nutzer in Kanada sollen laut Google weiterhin „Lake Ontario“ sehen
Google verwies darauf, dass sich der Schritt im offiziellen geografischen Namensregister der USA (GNIS) niederschlage. Dieses lege die Standards für offizielle US-Karten fest. Da Google Maps darauf basierend aktualisiert werde, bedeute dies für Nutzer in den USA, dass der Ontariosee dort künftig als „Lake America“ ausgewiesen werde.
Nutzern in Kanada werde aber weiterhin der Name „Lake Ontario“ angezeigt. „Und diejenigen außerhalb der USA und Kanadas werden beide Namen sehen“, hieß es in einem am Samstag veröffentlichten Blogeintrag von Google. Auf kanadische Namenskonventionen oder die Benennung im Rest der Welt hat das US-Dekret keine Auswirkungen.
Die Umbenennung des Sees durch Trump stößt auf breiten Widerstand. Der kanadische Premierminister Mark Carney hatte die Namensänderung für den kleinsten der fünf Großen Seen bereits am Donnerstag umgehend zurückgewiesen. Ontarios Regierungschef Doug Ford enthüllte am Samstag ein großes Schild am Seeufer mit der englischen und französischen Aufschrift „Lake Ontario: Jetzt und für immer“. Trump könne den See nennen, wie er wolle, aber der Rest der Welt werde ihn immer Ontariosee nennen, sagte Ford.
Auch in den USA regt sich Kritik: Die demokratische Gouverneurin des an Kanada grenzenden Bundesstaates New York, Kathy Hochul, erklärte, ihr Staat werde den neuen Namen nicht verwenden. Der republikanische Gouverneur des benachbarten Vermont, Phil Scott, nannte Trumps Entscheidung in den sozialen Medien „kleinlich und enttäuschend“.
Google Maps hatte bereits im vergangenen Jahr nach einem Dekret Trumps an dessen erstem Amtstag den Golf von Mexiko für US-Nutzer in „Gulf of America“ umbenannt. Ruft man den Kartendienst in Deutschland auf, wird dort weiterhin „Golf von Mexiko“ angezeigt, gefolgt von „Golf von Amerika“ in Klammern.