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Washington/Teheran – Während US-Präsident Donald Trump (80) öffentlich die Kriegsgefahr mit Iran herunterspielt, haben amerikanische Streitkräfte nach einem Bericht des „Wall Street Journal“ am Montag die iranische Insel Qeschm angegriffen. Der Einsatz soll Teil einer ganzen Reihe kleinerer, bislang geheim gehaltener US-Angriffe der vergangenen Wochen gewesen sein.

Brisant: Qeschm liegt direkt an der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt. Das iranische Regime soll die Insel unter anderem zur Lagerung ballistischer Raketen nutzen. Außerdem befinden sich dort ein Marinestützpunkt und eine Entsalzungsanlage.

US-Regierungsvertreter beschreiben die jüngsten Angriffe laut „Wall Street Journal“ als defensiv. Dass die Operationen bislang weitgehend unter Verschluss blieben, soll einen Grund haben: Washington wolle nicht den Eindruck erwecken, die großen Kampfhandlungen gegen Iran wieder aufzunehmen. Trump selbst sendet derzeit komplett widersprüchliche Signale.

„Es wird sehr bald vorbei sein. Sehr bald.“

Bei einem Wahlkampfauftritt in Iowa sagte er am Sonntagabend: „Der einzige Grund, warum wir mit Iran noch nicht fertig sind, ist, dass ich nett sein möchte.“ Er wolle versuchen, möglichst viele Menschenleben zu retten. Dann aber folgte die Drohung: „Aber irgendwann müssen wir ihnen den Hammer zeigen.“ Und weiter: „Es wird sehr bald vorbei sein. Sehr bald.“

Nur einen Tag später klang der Präsident ganz anders. Auf die Frage von Reportern, ob die USA nach den Midterms ihre Angriffe auf Iran wieder aufnehmen würden, antwortete Trump knapp: „Nein.“ Bei einer Rede in Washington erklärte er außerdem: „Wir hatten einen Krieg mit Iran. Wir haben gewonnen.“ Eigentlich wisse er nicht einmal, ob man noch von einem Krieg sprechen könne, weil seit Monaten nicht mehr gekämpft worden sei. Trump: „Wir kontrollieren die Straße von Hormus.“

Doch nun wird bekannt: Im Geheimen sollen die US-Streitkräfte sehr wohl weiter zugeschlagen haben. Der Angriff auf Qeschm kommt zudem zu einem heiklen Zeitpunkt. Vertreter der USA und Irans arbeiten gleichzeitig an einer möglichen Friedensvereinbarung. Irans Außenminister Abbas Araghtschi erklärte nach der Abreise seines Verhandlungsteams aus Katar am Sonntag: „Die Gespräche über Vermittler sind sehr intensiv.“ Teheran habe seine Bedingungen und Vorschläge vorgelegt. Mullah-Minister Araghtschi: „Alles hängt von der politischen Vernunft Washingtons ab.“

Heißt: Teheran spricht von Verhandlungen, hält aber zugleich an seiner militärischen Machtstellung fest. Auf Qeschm lagert das Regime nach US-Angaben ballistische Raketen und betreibt einen Marinestützpunkt unmittelbar an der Straße von Hormus. Die USA setzen deshalb offenbar weiter auf militärischen Druck. Trumps Signal an die Mullah-Führung: Wer Frieden will, kann sich nicht gleichzeitig hinter Raketen und Militärstützpunkten verschanzen.