Biała Podlaska (Polen) – Mit bissiger Satire und provokanter Kunst stellte er sich immer wieder gegen Kremldiktator Wladimir Putin (73). Jetzt ist der russische Künstler und Regimekritiker Semyon Skrepetsky tot. Der 44-Jährige wurde im Osten Polens auf offener Straße erschossen.
Nach Angaben der Polizei fielen die Schüsse in der Stadt Biała Podlaska, unweit der Grenze zu Belarus. Mehrere Kugeln trafen den Künstler aus kurzer Distanz. Die Ermittler gehen derzeit von einer gezielten Tat aus. Ein Motiv ist bislang nicht bekannt. Polnische Behörden nannten den Namen des Opfers zunächst nicht. Russische und belarussische Oppositionsmedien identifizierten den Getöteten jedoch übereinstimmend als den Exilrussen Semyon Skrepetsky, der auch unter dem Namen Simon Skrepetski bekannt war.
Berichte sprechen von zwei Tätern
Besonders brisant: Medienberichten zufolge könnten zwei Täter beteiligt gewesen sein. Ein Verdächtiger soll demnach in der Nähe des belarussischen Konsulats festgenommen worden sein. Eine offizielle Bestätigung dazu steht bisher aus.
Die Polizei fahndet mit einem Großaufgebot: Rund um den Tatort wurden Straßen und Ausfallrouten gesperrt, auch Schulen und Kindertagesstätten wurden zeitweise besonders beschützt. Auch die Staatsanwaltschaft in Lublin äußerte sich. „Die Polizei ermittelt mit Hochdruck, um den oder die Täter zu fassen“, so ein Sprecher.
Vor drei Tagen trat er noch in Berlin auf
Skrepetsky, bürgerlich Robert Kuzowkow, stammte aus Sibirien und wurde durch seine satirischen Darstellungen von Kremlchef Wladimir Putin und Belarus-Machthaber Alexander Lukaschenko bekannt. Mit seinen Kunstaktionen, in denen er autoritäre Systeme kritisiert, sorgte er immer wieder für Aufmerksamkeit. 2021 verließ er Russland und lebte seitdem in Polen.
Nur drei Tage vor seinem Tod trat Skrepetsky noch in Berlin auf. Vor der russischen Botschaft zeigte er ein ikonisches Gemälde, das Josef Stalin mit einem Baby-Putin auf dem Arm zeigt. In einem Video seiner Aktion ist außerdem zu sehen, wie er eine russische Flagge in einen Mülleimer wirft. Ob seine politischen Kunstaktionen mit der Tat zusammenhängen, ist derzeit völlig offen. Die polnischen Behörden ermitteln.