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Calw – In einem Gang der Zeppelin-Kaserne in Calw (Baden-Württemberg) liegen 30 Jahre KSK-Geschichte: Sturmgewehre, Pistolen, Munition, Ausrüstung aus vergangenen Einsätzen. Fotografieren: verboten. Kameras überwachen jeden Millimeter auf dem Gelände. Geheimhaltung ist die Lebensversicherung des Kommando Spezialkräfte. Gesichter, Namen, Einsätze: geheim. Die Elite-Soldaten müssen selbst Freunden und Familien ihre wahre Berufung verschleiern.

Seit 1996 schickt Deutschland das KSK dorthin, wo normale Soldaten an ihre Grenzen kommen: Geiseln befreien, Terroristen jagen, Menschen aus Krisengebieten retten, tief im feindlichen Gebiet aufklären. In Afghanistan kämpften KSK-Soldaten gegen die Taliban.

Doch das ist vorbei. Der neue Feind sitzt im Osten. „Wir richten uns sehr konkret auf den Gegner Russland aus“, sagt KSK-Kommandeur Andreas Kühne zu BILD. Was das bedeutet? Früher, erzählt Andreas Kühne, waren Operationen etwa für drei Tage geplant. Danach zurück ins Lager. „Essen, duschen, Wäsche waschen – wunderbar.“ In einem Krieg mit Russland wird es diesen Luxus nicht geben. „Da werden wir viel länger im Felde ausharren müssen“, sagt Andreas Kühne. „Womöglich erstmal ohne Ende.“

Die Kommandos trainieren deshalb wieder für einen Gegner, der über Panzer, Artillerie, Drohnen und elektronische Kampfführung verfügt. Auch Einsätze bei extremer Kälte werden geprobt. Das KSK bereitet sich auf die Bedingungen an der Ostflanke vor.

Im Ernstfall wären Kühnes Soldaten längst unterwegs, bevor die ersten deutschen Panzer rollen: „Wenn die Panzerbrigade 45 in Litauen im Ernstfall ihre Motoren startet, wollen wir unseren Job schon gemacht haben. Innerhalb von vier Stunden sitzen wir in Stuttgart im Flieger. Und dann haben wir alles dabei, was wir brauchen.“

Moskau soll genau wissen, wozu die Truppe fähig ist

Selbstbewusst fügt Kommandeur Kühne hinzu: „Putin kennt unsere Schlagkraft.“ Bei Übungen im Baltikum hat Deutschland gezeigt, was seine Spezialkräfte können. Der General nennt es ein „Preisschild“ für Putin: „Das kostet euch einen Angriff auf uns.“ Dieses Preisschild müsse so hoch sein, dass Russland einen Angriff zweimal überlege.

Dafür sucht die Bundeswehr außergewöhnliche Soldaten. Ein Kommandosoldat müsse „gut gebildet, geistig extrem belastbar“ sein und zugleich enorme körperliche Anforderungen erfüllen. Nur gut 15 Prozent schaffen die Auslese.

In Calw werden sie für ihre Geheimmissionen gestählt. Auf Schießbahnen und in Gebäuden üben die Soldaten den Kampf. Bis zu 500.000 Schuss werden im Jahr abgefeuert. Die Elitekämpfer messen ihre Ergebnisse in Highscore-Tabellen. Dazu Kampfsport, Schwimmhallen, Eisbäder und ein Fitness-Tempel, bei dem jeder Olympia-Stützpunkt vor Neid erblassen würde.

Knapp 1.500 Mitarbeiter hat das KSK. Doch nur ein Drittel davon sind Kommandosoldaten, der Rest Verwaltung. Der Besetzungsgrad des KSK liegt laut Andreas Kühne bei 70 bis 80 Prozent. Eine neue Wehrpflicht könnte helfen, die Lücke zu schließen: „Je mehr Leute ins System laufen, desto mehr Leute könnten auch für uns dabei sein.“

Dabei stand die Zukunft der Eliteeinheit vor wenigen Jahren selbst auf der Kippe. Rechtsextreme Vorfälle, Hitlergruß und Schweineköpfe auf einer Abschiedsfeier, verschwundene Munition und das Waffen- und Sprengstoffversteck eines KSK-Soldaten erschütterten die Truppe. 2020 wurde eine der Kommandokompanien aufgelöst.

Heute soll Schluss sein mit Wegsehen und Korpsgeist. Andreas Kühne sagt, Fälle aus dem Bereich der Inneren Führung seien inzwischen „extrem gering“. Aber eben nicht null. Und wenn etwas passiert? „Im Zweifel gibt es kein Pardon. Hier wird nichts unter den Teppich gekehrt.“

Das KSK soll wieder das sein, wofür Deutschland die Truppe braucht: seine Speerspitze in Richtung Osten.