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Düsseldorf – Zwei Explosionen, eine gesprengte Haustür und zahlreiche schwer bewaffnete SEK-Beamte. Als die Einsatzkräfte Ende Februar die Villa mit Gorilla-Statue und Luxuswagen in NRW stürmen, weiß Millionär Alexander B. (34) kaum, wie ihm geschieht. In wenigen Sekunden wird er überwältigt. Nach Überzeugung der Ermittler ist der Immobilienmakler Kopf einer millionenschweren Drogenbande.

Seit Mittwoch sitzt er auf der Anklagebank des Landgerichts in Düsseldorf. B. soll tonnenweise Kokain geschmuggelt, außerdem mit Hunderten Kilo Marihuana und scharfen Schusswaffen gehandelt haben. Neben dem Millionär steht auch seine Frau Lisa (33) vor Gericht. Während ihr Mann ihr und Verwandten im Gericht Handküsse zuwirft, legt sie ein graues Plüschtier auf die Anklagebank. Es soll Glück bringen, denn auch Lisa B. muss sich verantworten – wegen Beihilfe zum Marihuana-Handel. 12,8 Kilo Drogen soll sie weitergegeben und dafür 45.000 Euro erhalten haben.

Die Anklagepunkte gegen ihren Mann wiegen deutlich schwerer: „King Koks“ soll als einer von fünf Hauptmännern einer Drogen-Organisation von 2016 bis 2026 agiert haben. Tonnenweise Kokain soll aus Kolumbien, Peru und Bolivien nach Deutschland gebracht worden sein, teilweise in Lieferungen von bis zu 500 Kilo. Insgesamt soll es um bis zu 12 Tonnen Kokain gehen – Marktwert bis zu 100 Millionen Euro. Der Angeklagte soll dabei als „Zwischenhändler in einer höheren Ebene“ beteiligt gewesen sein.

Seit drei Jahren waren die Ermittler international auf der Spur von Alexander B. und vier bisher nicht gefassten Komplizen gewesen. Der Durchbruch kam, als es FBI-Ermittlern gelungen war, vermeintlich abhörsichere Krypto-Handys der Bande zu knacken.

Doch nicht nur das weiße Pulver soll sein Geschäft gewesen sein. Laut Anklage konnten zwei Mittäter ermittelt werden, mit denen „King Koks“ Hunderte Kilo Marihuana gehandelt haben und sogar an einer Cannabis-Plantage in Spanien beteiligt gewesen sein soll. B. muss sich zudem wegen des illegalen Handels mit Schusswaffen verantworten. So soll er laut Staatsanwaltschaft Pistolen mit Schalldämpfern angeboten haben, ob und wie viele Waffen wirklich verkauft wurden, können die Ankläger aber nicht sagen.

Bei der Razzia im Februar wurden damals 16 Objekte in ganz Deutschland (Hamburg, München, Erkrath) durchsucht, ein weiteres sogar in Frankreich. Gestürmt wurden auch die Büros der Immobilienfirma von Alexander B. in Düsseldorf.

Laut Anklage fanden die Fahnder dabei keine Drogen, dafür aber im Keller eine in einem Öltankraum versteckte und extra eingewickelte Pistole (Smith & Wesson) sowie verschiedene Munition in einem Wandtresor. Die Staatsanwaltschaft beschlagnahmte dazu Vermögenswerte wie Immobilien, Luxusautos (Lamborghinis) und teure Kunst im Wert von über 69.625.600 Euro.

Ob das angeklagte Ehepaar ein Geständnis ablegen wird, soll sich laut Verteidiger erst im Laufe des Prozesses entscheiden.