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Plötzlich stellen die Amerikaner fest, dass die deutschen Drohnen überlegen sind

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Eine Drohne nach der anderen surrt über den Truppenübungsplatz Pabradė in Litauen, nur wenige Kilometer von der Grenze zu Belarus entfernt – viele stürzen über dem Gelände ab, nur wenige treffen direkt die Übungsziele. Amerikanische Elektronik-Kampf-Einheiten probten hier Mitte Mai bei der Übung „Flytrap 5“ die Abwehr der autonomen Roboterflieger, fluteten das Frequenzspektrum mit Störsignalen. Sie simulieren das Hightech-Schlachtfeld der Ukraine, auf dem viele westliche Präzisionswaffen aufgrund russischer Störsender versagen.

Rund 200 Drohnen testen die US-Truppen zusammen mit Drohnen-Experten aus Großbritannien. Ausgerechnet ein Produkt eines deutschen Herstellers zeigte sich laut Äußerungen von beteiligten US-Offizieren als besonders resistent gegen die Störangriffe. Bei den Tests bewies sich die HX-2-Angriffsdrohne des Münchner KI-Rüstungs-Startups Helsing trotz elektronischen Störfeuers als zielgenau. Auf Nachfrage bestätigt das Unternehmen: Bei 15 von 17 Flügen schlug die autonome „Kamikaze-Drohne“ bei „Flytrap 5“ ins Ziel ein. Mehr noch: Da eine Aufklärungsdrohne eines US-Herstellers im Test durch das elektronische Störfeuer versagte, improvisierten die US-Soldaten, setzten die HX-2 auch zur Suche nach Zielen ein.

„Ursprünglich wurde die HX-2 als System für Einwegangriffe eingesetzt“, sagte Alex Miller, CTO der US-Armee und Berater des US-Generalstabs, gegenüber der US-Nachrichtenseite „Axios“. „Unsere Nutzer berichteten aber, dass sie die HX-2 auch als Aufklärungsplattform verwendeten, da sie in der Lage war, Ziele mithilfe von KI selbst unter Störeinflüssen zu erfassen und zu verfolgen.“

Dass US-Streitkräfte bei autonomen Systemen neuerdings auf europäische Technologie zurückgreifen, bricht mit dem traditionellen Marktgefüge. Bislang ist die Beschaffung von fliegendem Kriegsgerät zwischen Europa und den USA eher eine Einbahnstraße, europäische Staaten importieren fast ausschließlich aus den USA. Doch im Bereich der unbemannten Systeme könnte sich der Markt zugunsten der Europäer entwickeln. Denn diverse europäische Rüstungsstartups kooperieren eng mit den ukrainischen Streitkräften. Die setzen die Flieger der Europäer bereits permanent unter realen Bedingungen gegen russische elektronische Störmittel ein und zwingen die Hersteller zu extrem kurzen Innovationszyklen.

Auf der Luftfahrtmesse ILA in Berlin berichten mehrere Vertreter von Herstellern, die allerdings anonym bleiben wollen, wie die Ukrainer Innovation fördern, dass sie ganz anders Waffen einkaufen als die schwerfälligen Beschaffungsämter der Nato-Staaten. Die Bedingung lautet stets: Tausch von Daten vom Schlachtfeld, von digitaler Kampferfahrung, gegen Technologietransfers.

Die westeuropäischen Start-ups müssen sich in der Ukraine engagieren und mit ukrainischen Firmen zusammenarbeiten. Im Gegenzug können sie ihre Innovationen direkt an der Front ausprobieren. Der Rhythmus der Software-Updates sei inzwischen auf zwei Wochen zusammengeschrumpft, so ein Start-up-Entwickler gegenüber WELT.

Vollautonome Systeme ohne Funkverbindung

Die Ergebnisse dieser erzwungenen technischen Evolution sind auf der Messe direkt sichtbar: Helsing zeigt die in Litauen erfolgreiche HX-2, deren Serienmodell inzwischen in der Ukraine regulär eingesetzt wird. Noch im vergangenen Jahr waren die Drohne aus München sowie ihr Vorgänger HF-1 in die Kritik geraten. Ukrainische Soldaten beschwerten sich, die ersten Prototypen der Flieger würden die Versprechungen des Herstellers nicht erfüllen. Inzwischen, so Helsing, ist die Software unter dem Druck des Fronteinsatzes wesentlich weiterentwickelt, die Serienversion der Flieger gehöre zu den erfolgreichsten Einweg-Drohnen an der Front.

Dazu zeigte Helsing gemeinsam mit dem Elektronikspezialisten Hensoldt die autonome Jetdrohne „CA-1 Electronic Attack“. Der Flieger ist wesentlich größer als eine Einweg-Drohne, soll künftig bemannten Kampfjets vorausfliegen und mit Störsendern die Flugabwehr blockieren. Die westliche Funktechnik ist dank der Daten aus dem Ukrainekrieg angepasst, die Rüstungsfirmen kennen inzwischen Methoden und Frequenzen der russischen Elektronik-Kampfführung.

Da Russland das gestörte Spektrum mittlerweile flexibel von den üblichen Funkbändern bis auf 18 Gigahertz ausgeweitet hat, weichen die Hersteller auf vollautonome KI-gesteuerte Systeme aus, die bei gestörter Funkverbindung zur Basis weiter ihre Mission verfolgen.

Auch das deutsche Rüstungs-Start-up Quantum Systems zeigte auf der ILA Drohnen, die direkt aus den Erfahrungen in der Ukraine entstanden sind: Der Münchner Drohnenhersteller hat als Antwort auf die russischen Shahed-Langstreckendrohnen die sehr kompakte und schnelle Abfangdrohne „Strila“ in sein Portfolio aufgenommen. Der Flieger ist wesentlich günstiger als eine konventionelle Flugabwehr-Lenkwaffe, wurde vom ukrainischen Start-up WIY-Drones entwickelt.

Die senkrecht startende Abfangdrohne erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von über 400 Kilometern pro Stunde und fliegt bis zu 6000 Meter hoch. Die nur gut fünf Kilogramm schwere Jagd-Drohne hat eine maximale Reichweite von 34 Kilometern. Quantum Systems will nun die industrielle Produktion übernehmen und gleich 15.000 Stück für die Ukraine bauen. Auch angesichts der Angriffe des Iran auf die Golfstaaten mit Shahed-Fliegern war die Abfangdrohne ein Star der Messe.

Um die „Strila“ künftig möglichst nah an die gegnerischen Shaheds heranzutragen, hat Quantum Systems zudem die Pulse P19 entwickelt. Der Propellerflieger erinnert ein wenig an ein Jagdflugzeug aus dem Zweiten Weltkrieg, er fliegt wesentlich schneller und dynamischer als die bekannten bewaffneten US-Drohnen vom Typ „Reaper“. Er soll künftig autonom und stundenlang auf die Jagd nach Shahed-Drohnen gehen und bringt dafür eine Reichweite von bis zu 2200 Kilometern mit. Auf dem ILA-Messestand trug ein Modell des Fliegers unter den Flügeln an zwei von sechs Waffenstationen gleich 18 Strila-Abfangdrohnen, denkbar wären laut Hersteller noch wesentlich mehr.

Dritter Star der Messe war die „U760 Ravenstorm“ von Airbus Defence and Space. Das unbemannte Kampfflugzeug ist als schwerer Begleitjet („Loyal Wingman“) für bemannte Jets wie den Eurofighter konzipiert. Es soll künftig autonom operieren und ist flexibel für Angriffe in der Luft, am Boden sowie für die elektronische Kampfführung ausgelegt.

Damit ordnet Airbus sein gesamtes Militär-Portfolio neu und führt eine eigene „U“-Bezeichnung für unbemannte Flieger ein. Zusammen mit Quantum Systems zeigte Airbus zudem eine große Transportdrohne, die auf dem leichten Hubschrauber H145 basiert.

Der ist bei der Bundeswehr bereits als Kampfhubschrauber im Einsatz. Beim U145 hat Airbus nun das komplette Cockpit entfernt, dafür lässt sich der Helikopter nun von vorne öffnen und mit einem Palettensystem beladen. An Stummelflügeln trug auch die U145 auf der Messe wieder die Strila-Abfang-Drohnen aus dem Portfolio von Quantum Systems.

Ziel sei es, „dass Besatzungen den Luftraum wirksam gegen unbemannte Bedrohungen kontrollieren können“, so Stefan Thomé, Executive Vice President Programmes bei Airbus Helicopters. Denn aktuell sind bemannte Helikopter über der Ukraine eher fliegende Ziele für Drohnen. Die leichten Abfangdrohnen an Bord als Abwehrmittel könnten künftig Standard-Ausstattung für alle Fluggeräte über den Schlachtfeldern der Zukunft werden.

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.

Wirtschaftsredakteur Benedikt Fuest berichtet regelmäßig über das KI-Rennen, Technologie und Rüstung.