Sihanoukville (Kambodscha) – Er verkaufte Menschen den Traum von einer endlosen Luxus-Kreuzfahrt rund um die Welt. Vor wenigen Tagen platzte der Traum für mehr als 200 Passagiere der „Odyssey“. Mikael Petterson, Gründer und Executive Chairman von Villa Vie Residences, sprach jetzt über die dramatische Finanzlage. „Ich fühle mich schrecklich“, sagte er in einem Telefoninterview mit Jacob Shamsian und Jack Newsham von Business Insider (gehört wie BILD zu Axel Springer).
Der Traum platzte in Kambodscha. Innerhalb weniger Stunden mussten 203 Passagiere ihr Kreuzfahrtschiff verlassen, auf dem viele von ihnen Jahrzehnte um die Welt schippern wollten. Viele verkauften ihre Häuser, um sich eine Kabine auf der „Odyssey“ leisten zu können. Ob sie ihr Geld je zurückbekommen, ist ungewiss.
„Odyssey“-Gründer: „Ich bin der Bösewicht“
Mikael Petterson ist Gründer der Betreiberfirma Villa Vie Residences. In einem Interview beschreibt er seine Sicht, wie es zu dem abrupten Ende der Kreuzfahrt kam. Petterson wusste, wem die Bewohner jetzt die Schuld an ihrem geplatzten Traum geben. „Ich bin der Bösewicht in der Geschichte, aber ich tue alles, was ich kann, um die Bewohner bei einer Lösung zu unterstützen“, sagte er. Die Menschen an Bord hätten sich auf ihn verlassen: „Sie zählen darauf, dass ich hier die Entscheidungen treffe, und auf nichts anderes konzentriere ich mich.“
Irankrieg und Spritpreise: So erklärt Petterson das Aus
Petterson macht vor allem den Irankrieg und die dadurch gestiegenen Treibstoffpreise für die Krise verantwortlich. Die „Odyssey“ fährt mit Marine Gas Oil (MGO). Nach Angaben des Firmengründers zahlte Villa Vie dafür normalerweise rund 600 bis 700 Dollar pro Tonne. Im März schoss der Kraftstoffpreis in Singapur laut Daten des Branchenmediums Ship & Bunker zeitweise auf fast 2000 Dollar pro Tonne hoch.
Für Petterson war das der Beginn einer finanziellen Abwärtsspirale. „Ich glaube, uns wäre es absolut gut gegangen und wir hätten das durchgestanden, wenn es keinen Irankrieg gegeben hätte“, sagte er. Die ersten anderthalb Jahre auf See seien zwar eine „riesige Herausforderung“ gewesen. Villa Vie habe aber einen Finanzplan aufgestellt, nach dem das Unternehmen bis zum zweiten Quartal 2026 schwarze Zahlen schreiben sollte.
24 Prozent Zinsen: Bewohner sollten Geld leihen
Dokumente, die dem Axel Springer Global Reporters Network vorliegen, zeigen, wie verzweifelt nach Geld gesucht wurde. So bat Villa Vie im April ausgerechnet die eigenen Bewohner um finanzielle Hilfe. Sie sollten dem Unternehmen Geld leihen. Dafür stellte Villa Vie laut einem Schreiben Zinsen von 12 bis 24 Prozent in Aussicht.
Gleichzeitig strich das Unternehmen laut Petterson Hafenstopps aus dem Reiseplan, um Kraftstoff zu sparen. Doch das Sparen habe ein neues Problem ausgelöst: Einige Bewohner seien „verängstigt“ gewesen und hätten ihre Kabinen zum Verkauf angeboten, sagte Petterson. Damit konkurrierten plötzlich die eigenen Kunden mit der Verkaufsabteilung von Villa Vie, die ebenfalls noch freie Kabinen verkaufen wollte. Auch negative Berichte in sozialen Medien hätten es nach seiner Darstellung schwieriger gemacht, neue Bewohner zu gewinnen.
Dieser Investor sollte die „Odyssey“ retten
Noch kurz vor dem Aus hoffte Petterson auf eine Finanzspritze. Villa Vie verhandelte nach seinen Angaben mit Oneil Khosa, dem früheren Chef der Kreuzfahrtlinie Margaritaville at Sea. Er sollte Kapital einbringen und als operativer Partner einsteigen. Doch die Gespräche scheiterten. Ebenso scheiterte der Plan einiger Passagiere, das Schiff selbst zu kaufen.
Damit gingen Villa Vie nach Darstellung des Gründers die Möglichkeiten aus. Die „Odyssey“ werde deshalb vorerst stillgelegt und gesichert, während Petterson nach einer Lösung suche.
Jetzt droht sogar die Liquidation
Der Gründer nannte zwei mögliche Wege: Villa Vie könnte eine gerichtlich überwachte Restrukturierung durchlaufen, bei der das Management die Kontrolle behielte. Oder das Unternehmen müsste liquidiert werden. Dann ist der Traum vom Ruhestand auf See endgültig geplatzt.