Berlin – Eine weltweite Warnung vor einer Welle von Cyberangriffen wegen Schwachstellen der Web-Programmiersprache PHP hat auch in Deutschland zu zahlreichen Ausfällen geführt. Landes- und Polizeibehörden sowie mehrere Städte nahmen am Mittwoch nach einem Hinweis des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ihre Angebote vorsorglich aus dem Netz, um Updates aufzuspielen.
„Kritische Schwachstellen innerhalb der Programmiersprache PHP bedrohen aktuell weltweit Webanwendungen“, erklärte die IT-Sicherheitsbehörde am Mittwoch. „Mit Kenntnis derartiger Schwachstellen könnte es Angreifern gelingen, massive Angriffskampagnen durchzuführen.“
„Einstiegstür in Millionen von Servern“
IT-Experte Prof. Dr. Dennis-Kenji Kipker (39) ordnet gegenüber BILD ein: „Es handelt sich um eine der schwerwiegendsten Sicherheitslücken der letzten fünf Jahre.“ Denn „PHP ist der unsichtbare Motor des Internets – rund 69 Prozent der Webseiten mit bekannter Technik laufen darauf, vom Hobby-Blog bis zum Behördenportal. Die zwei festgestellten schwerwiegenden Schwachstellen sind nun für Cyberkriminelle die Einstiegstür in Millionen von Servern.“
Und weiter: „Wir reden hier über einen technischen Fehler, der im Fundament des Internets steckt, und nicht nur über einzelne Websites. Jeder, der einen Blog, eine Shopping-Seite, soziale Netzwerke und selbst Wikipedia betreibt, ist von dem Vorfall betroffen. Also quasi die unsichtbare Struktur hinter dem Internet, wie wir es kennen“, sagt Kipker. „Wer in diese Sicherheitslücke kommt, hat quasi den Schlüssel zum ganzen Haus.“
„Die nächsten 24 Stunden werden entscheidend sein“
Er könne anschließend „Kundendaten und Passwörter abgreifen, Webseiten verfälschen, Schadsoftware einschleusen und den Server für weitere Angriffe missbrauchen“, erklärt Kipker. KI sorge dafür, „dass solche Schwachstellen immer schneller ausgenutzt werden, die nächsten 24 Stunden werden entscheidend sein. Wir können aber noch mit einem langen Nachspiel rechnen, da dort draußen im Netz Millionen ungeschützter Systeme sind, die nun kompromittiert werden können“, gibt sich der Honorarprofessor für IT-Sicherheitsrecht alarmierend.
Er gibt zu: „Vorsorglich haben wir auch unsere deutschlandweite Cyberwarn-App CYROS vom Netz genommen, die selbst über Cybervorfälle informieren soll. Wir haben uns zu diesem Schritt entschieden, um dem Risiko eines Angriffs entgegenzuwirken und wollen hier auch mit gutem Beispiel vorangehen.“
Was bedeutet das für unseren Alltag?
Rechner und Kühlschrank könnten laut Kipker erstmal am Netz bleiben, „denn die Lücke betrifft Server von Shops, Hostern und Portalen, nicht normale Haushaltsgeräte“. Ausnahmen seien Geräte „mit unmittelbarem Fernzugriff wie selbst gehostete NAS-Server, die sollte man bis zum Hersteller-Update lieber abschalten bzw. vom Netz trennen.“
User müssten bis zum Wochenende „damit rechnen, dass einige Seiten, Webservices oder Cloud-Dienste offline sind. Online-Banking kann theoretisch auch betroffen sein.“ Im schlimmsten Falle könnte es sein, „dass Banken einzelne Dienste kurz vom Netz nehmen. Wenn man selbst eine Wordpress-Seite betreibt, „sollte man beim Hoster nachfragen, ob das Sicherheitsupdate für PHP schon läuft, im Zweifel sollte man die Seite kurz vom Netz nehmen, bis alles geklärt ist“, so Kipker.