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Berlin – Ausgerechnet Parteiveteranin Petra Pau (63, Linke) geht jetzt öffentlich auf den Linken-Bundestagsabgeordneten Ferat Koçak (47) los. Hintergrund sind dessen bekannt gewordene Kontakte zu Firas Remmo, dem Sohn des Berliner Clan-Chefs Issa Remmo.

Die Affäre hatte am Wochenende nach dem Linken-Sieg in Berlin Fahrt aufgenommen, nachdem Chat-Nachrichten veröffentlicht worden waren. Darin schickte Koçak „Grüße mit Respekt“ an Clan-Oberhaupt Issa Remmo. Außerdem bat er dessen Sohn, ein Video seiner Bundestagsrede zu verbreiten. „Sagt allen euren Leuten, die sollen das teilen bitte“, schrieb der Linken-Politiker. Die Antwort: „Gerne, Bruder.“

„Mir reicht es langsam!“

Für Petra Pau offenbar ein Schritt zu weit. Auf X rechnete die langjährige Bundestagsvizepräsidentin mit ihrem Parteifreund ab. „Mir reicht es langsam. Als MdB (Bundestagsabgeordneter, Anm. d. Red.) hast Du eine Verantwortung, ich kann nicht mehr an Naivität glauben“, schrieb sie öffentlich. Besonders brisant: Pau erklärte zudem, sie habe bereits im Sommer eine Mail von Koçak bewusst unbeantwortet gelassen, weil sie genau solche Entwicklungen befürchtet habe.

Koçak reagierte am Montagabend mit einer Entschuldigung. Die Berichte über die Chats hätten die Öffentlichkeit zu Recht verunsichert, erklärte er. Kontakte von Mandatsträgern zu Personen aus dem Umfeld organisierter Kriminalität seien „durch nichts zu rechtfertigen“.

Mit Remmo geschrieben wie mit anderen Bürgern

Gleichzeitig verteidigte er sich. Er kommuniziere jede Woche mit Hunderten Menschen aus Neukölln über soziale Medien. Auch mit Firas Remmo habe er deshalb geschrieben wie mit vielen anderen Bürgern. Den Gruß an dessen Vater habe er lediglich aus Höflichkeit erwidert. Künftig wolle er sein Kommunikationsverhalten aufarbeiten und volle Transparenz herstellen.

Die Debatte trifft die Linke in einer ohnehin heiklen Phase. Bereits zuvor hatte ein Auftritt von Issa Remmo auf einer Wahlparty der Berliner Linken für Empörung gesorgt. Der Clan-Chef erklärte dort, er freue sich über den Wahlerfolg der Partei und fühle sich erstmals in Deutschland von einer politischen Kraft unterstützt.

Linken-Spitze geht auf Distanz

Die Parteiführung versuchte umgehend, auf Abstand zu gehen. Parteichefin Ines Schwerdtner betonte, Remmo sei nicht eingeladen gewesen. Als man ihn erkannt habe, sei er direkt ausgeladen worden. Die Linke nehme den Vorfall sehr ernst und wolle verhindern, dass sich so etwas wiederhole.

Scharfe Kritik kommt auch von Sicherheitsseite. Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Dirk Peglow, warnte davor, dass durch solche Auftritte und Kontakte der Eindruck politischer Nähe zu Personen aus dem Umfeld organisierter Kriminalität entstehen könne. Kriminelle Strukturen dürften nicht gesellschaftlich aufgewertet oder normalisiert werden.

Für viele Polizisten und Ermittler, die seit Jahren gegen Clan-Kriminalität kämpfen, seien solche Bilder kaum vermittelbar, sagte Peglow. Sie wirkten auf viele Beamte wie ein „Schlag ins Gesicht“. Klar ist schon jetzt: Die Remmo-Affäre entwickelt sich für die Linke zu einer schweren Belastung.