TTS-Player überspringenArtikel weiterlesen

Berlin – Er ist der erfolgreichste aus Deutschland stammende Unternehmer der Welt – und einer der streitbarsten: Peter Thiel (58). Der gebürtige Frankfurter gründete in den USA u.a. PayPal und Palantir, investierte außerdem in Facebook und Spotify. Auch politisch machte er sich einen Namen: Thiel gehörte zu den frühen Unterstützern von US-Präsident Donald Trump (80) und Vizepräsident JD Vance (42). Am Donnerstagabend wird er mit dem Axel Springer Award 2026 ausgezeichnet.

Bei MD MEETS, dem Podcast von Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner, sprach Peter Thiel über die wichtigsten wirtschaftlichen und politischen Themen unserer Zeit.

„Gefahr, dass die Entwicklung im Westen gebremst wird, in China aber nicht“

Das sagte Thiel über …

… das Potenzial von Künstlicher Intelligenz (KI): „Ich denke, dass KI bedeutender sein könnte als das Internet und das Potenzial hat, das Wachstum zu beschleunigen – mit all den positiven wie negativen Folgen, die damit einhergehen.“

… die Forderung, KI-Entwicklung zu bremsen: „Theoretisch könnte man die Entwicklung verlangsamen, wenn es eine echte, tiefgreifende Zusammenarbeit auf globaler Ebene gäbe. Aber ich glaube, dafür bräuchte es eine Weltregierung mit echten Befugnissen und echter Macht. Der klassische Liberale in mir hält das für einen Fall, bei dem man vom Regen in die Traufe käme. Das Gegenmittel wäre schlimmer als die Krankheit.“

… das Problem einer KI-Bremse: „Es besteht die Gefahr, dass die Entwicklung im Westen gebremst wird, in China aber nicht.“

„Es gibt ein Problem in Berlin mit zu hohen Mieten“

Das sagte Thiel über …

… die Wahl-Erfolge der Extrem-Parteien: „Es spiegelt das Versagen der Parteien der Mitte wider, eine wirtschaftliche Zukunft für Deutschland zu entwickeln, die für die ganze Gesellschaft funktioniert.“

… warum junge Menschen die Linke wählen: „Man muss die Themen der jungen Menschen ernst nehmen. Es gibt ein Problem in Berlin mit zu hohen Mieten. Es ist nicht möglich, Häuser zu bauen. Die junge Generation findet es schwer, voranzukommen und erfolgreich zu sein. Deutschland und Europa, und bis zu einem gewissen Grad auch die USA, sind Gerontokratien – Gesellschaften, die für ältere Menschen funktionieren.“

… sein Problem mit der AfD: „Ich denke, dass man über die Ukraine vernünftig diskutieren kann, ebenso über China und über Israel. Gleichzeitig glaube ich aber, dass die AfD bei allen drei Themen falschliegt. Und man kann nicht bei allen dreien falschliegen.“

„Früher gab es in Deutschland diese Fähigkeit, bedeutende neue Unternehmen aufzubauen“

Das sagte Thiel über …

… Deutschlands Wirtschaft: „Früher gab es in Deutschland diese Fähigkeit, bedeutende neue Unternehmen aufzubauen. Es gab den Mittelstand, aber auch sehr viel größere Unternehmen, die im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert entstanden – und selbst noch in der Zeit nach 1945. Doch seit 1995 ist diese Fähigkeit wirklich weitgehend verloren gegangen.“

… die reichsten Amerikaner und Deutschen: „In den USA haben neun dieser zwölf Menschen ihr Vermögen selbst erwirtschaftet. In Deutschland haben alle 20 von 20 ihr Vermögen geerbt. Kein Einziger hat etwas Neues geschaffen, neues Vermögen erwirtschaftet oder ein großes neues Unternehmen aufgebaut, das sich entsprechend skalieren lässt.“

Vance oder Rubio? „Für beide Kandidaten wird es schwierig, zu gewinnen“

Das sagte Thiel über …

… seine Trump-Bilanz: „Die erste Regierung holte all diese Leute ins Team, die sich untereinander auf nichts einigen konnten (...). Die zweite Regierung übersteuerte bei der Korrektur dieses Fehlers (...) – mit dem Ergebnis, dass die Regierung mit Leuten besetzt wurde, die zwar nicht besonders klug, dafür aber sehr loyal sind.“

… die Frage, ob JD Vance oder Marco Rubio der bessere Präsidentschaftskandidat der Republikaner wäre: „Ich bin nach wie vor ein Anhänger von Vance. Ich fürchte allerdings, dass es für beide Kandidaten schwierig werden wird, zu gewinnen.“

… die Frage, wen die Demokraten nominieren – einen gemäßigten oder einen Linksaußen-Kandidaten: „Wenn die Republikaner bei den Zwischenwahlen in diesem Herbst eine schwere Niederlage erleiden, werden die Demokraten glauben, dass sie 2028 ohnehin gewinnen werden. Und dann wird es vermutlich auch keine so starke Brandmauer gegen einen Sieg eines demokratischen Sozialisten geben. (...) Ich glaube, dass die Demokraten bei den Zwischenwahlen in anderthalb Monaten gut genug abschneiden werden, dass es ihnen letztlich gleichgültig sein wird, ob ihr Präsidentschaftskandidat aus der Mitte-Links oder vom äußersten linken Flügel kommt. Und dann ist das Rennen völlig offen, der Ausgang völlig ungewiss.“