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Die Nachbarn in Zehlendorf lachten einst über die bunten Häuser, heute sind sie Weltkultur! Seit dem Wochenende gehört die „Papageiensiedlung“ zum Unesco-Welterbe. Was als Spott begann, ist jetzt eine Auszeichnung.

Für Arbeiter gedacht, bei Künstlern beliebt

Von Anfang an sollte es ein Begegnungsort sein. Bruno Taut (1880–1938), der federführende Architekt, strebte einen Gegenentwurf zu den beengten Verhältnissen vieler Berliner an: geräumig, lebenswert und dank serieller Bauweise erschwinglich.

Die Waldsiedlung, so ihr offizieller Name, entstand zwischen 1926 und 1931 und war ursprünglich für Arbeiter bestimmt. Doch die grünen, gelben oder blauen Häuser zogen auch Künstler, Musiker und Schriftsteller an. Sie schätzten die Verbindung von Architektur und Natur auf dem ehemaligen Forstgelände. Immer noch säumen hohe Kiefern die Straßen und Gärten der rund 800 Reihenhäuser und 1100 Geschosswohnungen. Auch die direkt in den U-Bahnhof „Onkel Toms Hütte“ integrierte Ladenzeile war damals eine Neuheit.

Das Konzept polarisierte. „Es hat von Anfang an Stunk gegeben, weil die mehrheitlich konservativen Zehlendorfer hier keine Arbeiter wohnen haben wollten“, sagt Scheub. Schon um die Baugenehmigung musste Taut ringen.

Bewohner fürchten steigende Mieten

„Taut hat damals auf einem ungewöhnlich hohen Niveau Wohnraum geschaffen, der noch heute eine besondere Qualität hat“, sagt der Berliner Landeskonservator Christoph Rauhut. Genau das schätzten die Bewohner der seit 1995 denkmalgeschützten Siedlung. Dass diese nicht schon 2008 mit den sechs anderen Berliner „Siedlungen der Moderne“ Unesco-Welterbe wurde, lag vor allem am schlechten Zustand vieler Fassaden. Der Wohnungskonzern Vonovia, dem mittlerweile ein Großteil der Mehrfamilienhäuser gehört, ließ sie sanieren. Die Waldsiedlung kam so für eine Nachnominierung infrage. Manche Mieter sehen aber nun das soziale Erbe Tauts durch den Immobilienkonzern bedroht. Als Kehrseite des Welterbe-Status fürchten sie steigende Mieten. Ein Sprecher der Vonovia-Tochter Deutsche Wohnen betont auf Anfrage, es gebe keinen Zusammenhang zwischen dem Status und der Miethöhe.

Hundert Jahre „Papageiensiedlung“

Am Sonntag hat das Welterbekomitee im südkoreanischen Busan nun die „Papageiensiedlung“ in das Denkmal-Ensemble der Siedlungen der Moderne aufgenommen. Die Bewohner haben Grund zum Feiern anlässlich des 100. Jubiläums der Siedlung und getreu der Tautschen Philosophie: „Wie die Räume ohne den Menschen aussehen, ist unwichtig. Wichtig ist nur, wie die Menschen darin aussehen.“