TTS-Player überspringenArtikel weiterlesen

Eckernförde (Schleswig-Holstein) – Es ist die Kehrseite der Strandidylle: Denn je sauberer der Sand, desto größer das Problem. Was Urlauber freut, ärgert Experten. Denn wenn im Morgengrauen die Putzkolonnen anrücken, nehmen sie nicht nur Abfälle und Zigarettenkippen mit. Dabei verschwinden auch ökologisch wichtiges Seegras und damit Lebensräume für Insekten und Nahrung für Vögel.

Jeden Sommer kämpfen Ostseeorte in Schleswig-Holstein mit Tonnen von Müll. Um ihre Strände blitzblank zu halten, pflügen viele Orte den Sand mit Siebmaschinen. Doch in den feinen Maschen bleibt alles hängen, was größer als drei Zentimeter ist. Die Ausbeute: alles von der Alge bis zum Zigarettenstummel.

Täglich werden rund 500 Kilo Müll vom Strand geholt

Ole Eggers, BUND-Chef von Schleswig, auf BILD-Anfrage: „Die meisten Touristen wollen glatt geharkte Strände an der Ostsee, alles soll picobello sein. Doch was zurückbleibt, ist eine Wüste.“ Denn neben täglich bis zu 500 Kilo Müll landet auch viel Seegras in den Auffangbehältern.

Das wird vor allem im Flachwasser am Spülsaum des Meeres angespült. Eggers: „Da drinnen brodelt und lebt es, da tummeln sich Insekten, die Vögel wie der Sandregenpfeifer auf dem Speiseplan haben.“ Die Bedürfnisse der Urlauber seien verständlich, aber die der Natur müssten auch akzeptiert werden, sagt er.

Touristen von Strandinseln am Meer fernhalten

Eggers fordert abgegrenzte Bereiche, in denen sich Strandleben entwickeln kann: „Von solchen Strandinseln sollten Touristen und Hunde ferngehalten werden. Dort kann sich dann normale Strandfauna entwickeln, die Lebensgrundlage für Brutvögel wie den Sandregenpfeifer ist.“ In Dänemark funktioniere das schon ausgezeichnet.

Eckernförde testet Öko-Quads

Eckernfördes Tourismus-Chef Michael Keller kennt die Problematik. Die Gemeinde testet gerade ein E-Quad: „Damit kann man bestimmte verschmutzte Areale individuell ansteuern und manuell reinigen. So wird nicht jedes Mal ein ganzer Strand gepflügt. Das ist viel umweltfreundlicher und spart Emissionen“, sagt er. Andere Möglichkeit: Einfach keinen Müll am Strand liegen lassen – davon profitieren alle. Denn die Putz-Aktionen werden über die Kurtaxe finanziert. Bei geringerem Aufwand könnte die dann sinken. In Eckernförde sind es 3 Euro täglich für jeden Gast ab 18 Jahren.