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Olfen/Münster (NRW) – Im Rollstuhl wird der 72-jährige Tatverdächtige am Samstagabend in das Amtsgericht Münster geschoben. Dort erließ eine Richterin Haftbefehl. Der Vorwurf: Totschlag sowie zweifach versuchter Totschlag mit gefährlicher Körperverletzung im Seniorenheim Olfen.

Nach Angaben von Staatsanwaltschaft und Polizei ordnete die Richterin am Samstagabend Untersuchungshaft an. Der Beschuldigte soll diese voraussichtlich in einem Justizvollzugskrankenhaus antreten. Nach BILD-Informationen soll der mutmaßliche Täter Jan K. heißen und gebürtiger Pole sein. Nach der furchtbaren Tat am Freitagabend in Olfen (Nordrhein-Westfalen) hatten die Behörden ihn zunächst in einer psychiatrischen Einrichtung in Dülmen untergebracht. Am späten Nachmittag wurde er unter Polizeibewachung nach Münster transportiert.

Attacke während des Abendessens

Das Verbrechen ereignete sich gegen 19 Uhr während des Abendessens im Seniorenheim St. Vitus-Stift. Nach bisherigen Erkenntnissen griff der Mann mehrere Mitbewohnerinnen mit einem Messer an, stach ihnen in Hals und Oberkörper. Eine 86-jährige Frau erlitt dabei tödliche Verletzungen und starb noch am Tatort.

Zwei weitere Bewohnerinnen, 83 und 81 Jahre alt, wurden schwer verletzt. Die 83-Jährige kämpfte zunächst um ihr Leben, ihr Zustand konnte nach Angaben der Polizei jedoch stabilisiert werden. Beide Frauen werden weiterhin in Krankenhäusern behandelt.

Messer mit 15-Zentimeter-Klinge in der Schublade

Bei der Tatwaffe soll es sich nach BILD-Informationen um ein Küchenmesser mit einer rund 15 Zentimeter langen Klinge handeln. Der 72-Jährige (geschieden, eine Tochter) saß nach bisherigen Erkenntnissen während der Tat im Rollstuhl. Nach der Attacke soll er das Messer abgewaschen und in einer Schublade verstaut haben. Ermittler fanden die Waffe später an genau dem von ihm beschriebenen Ort.

Jan K. bewohnte Zimmer 8 in dem Heim. Als Beamte eintrafen, ließ sich der Mann dort widerstandslos festnehmen. Nach BILD-Informationen erklärte er gegenüber den Ermittlern, er habe sich über Jahre von Mitbewohnern gemobbt gefühlt und habe sich rächen wollen. Ob dieses Motiv tatsächlich eine Rolle spielte, versuchen die Ermittler der Mordkommission jetzt zu klären.

Opfer konnten noch nicht befragt werden

Warum der Rentner ausgerechnet die drei Frauen angriff und in welchem Verhältnis er zu ihnen stand, ist weiterhin unklar. Die beiden überlebenden Opfer konnten bislang noch nicht umfassend zu dem Geschehen befragt werden.

Bürgermeister schockiert

Olfens Bürgermeister Wilhelm Sendermann äußerte sich entsetzt über die Tat. „Die Geschehnisse gestern im St. Vitus-Stift waren schockierend und machen mich fassungslos. Was ist das für eine Welt, in der so etwas in einem Altenpflegeheim passieren kann?“, fragte er. Man sei in der Trauer bei den Betroffenen und ihren Angehörigen wie auch bei den Mitarbeitern des St. Vitus-Stifts, heißt es weiter in seinem Posting.

In dem von der Stadt Olfen getragenen Seniorenzentrum leben nach Betreiberangaben 77 pflegebedürftige Senioren. Zudem gehören betreute Wohnungen und Wohngruppen für demenzkranke Menschen zur Einrichtung. Der Betrieb ging weiter, uniformierte Polizisten empfingen die Besucher am Samstag und leiteten sie über einen Nebeneingang ins Haus. Die Ermittlungen zu dem Amoklauf im Heim dauern an.