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Warnemünde – Hätte dieses Paar den Tod einer Frau am S-Bahnhof Warnemünde verhindern können? Die Polizei hat ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und sucht per Foto öffentlich nach der Frau und dem Mann. Die beiden hielten sich am 7. Mai 2026 gegen 12.20 Uhr am Bahnsteig 2 auf. „Sie beobachteten, wie sich eine Frau in suizidaler Absicht unter eine am Bahnsteig stehende S-Bahn begab und sich auf das Gleisbett legte“, so eine Polizeisprecherin. Statt zu helfen, sollen sie nichts unternommen haben. Stattdessen seien sie weggegangen. Die S-Bahn fuhr an, die Frau starb.

Deshalb sucht die Polizei das Paar

„Die Personen werden wegen des Verdachts der unterlassenen Hilfeleistung gesucht“, so die Polizeisprecherin. Die Polizei hatte Videoaufnahmen aus Überwachungskameras vom Bahnsteig gesichert, die das Geschehen zeigen. Offenbar zogen die Frau und der Mann weder eine Notbremse, noch riefen sie dem Zugführer zu, dass er nicht abfahren soll, noch sprachen sie die Frau an, dass sie zurück auf den Bahnsteig kommen soll oder holten andere zu Hilfe. Auch einen Notruf setzten sie nicht ab – obwohl der Mann auf dem Fahndungsbild sogar ein Smartphone in der linken Hand hält.

Was dem Paar droht

Strafrechtler Arndt Kempgens zu BILD: „Bei unterlassener Hilfeleistung droht eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr. In diesem Fall gehe ich davon aus, dass es mit einer Geldstrafe nicht getan ist. Denn das Paar hatte mehrere Möglichkeiten, Hilfe zu leisten. Da sie einfach nichts davon unternommen haben, rechne ich mit einer Strafe von bis zu einem Jahr.“

Rechtsanwalt Raban Funk erklärt zudem gegenüber BILD: „Wer eine akute Notlage erkennt, muss im Rahmen seiner Möglichkeiten Hilfe leisten. Niemand muss sich dabei selbst in Gefahr bringen oder Leistungen erbringen, die die eigenen Fähigkeiten übersteigen“, so der Experte. Es gebe aber eine Ausnahme: „Beruht der Suizid auf einer nachweislich freiverantwortlichen und autonomen Entscheidung der betroffenen Person, kann eine Hilfeleistung rechtlich unzumutbar sein“, erklärt er.

So sehen die Gesuchten aus

Der gesuchte Mann trug eine helle Jeanshose, Jeansjacke, lila-weiß karierten Schal und hatte einen dunklen Rucksack. Die Frau trug eine schwarze Adidas-Jacke, eine schwarze Weste, einen Schal in Rot-Lila-Tönen sowie eine auffällige hellbraune Umhängetasche.

Die Kriminalpolizei Rostock bittet, sich mit Hinweisen zu den Gesuchten unter der Telefonnummer 0381 4916-1616 oder bei jeder Polizeidienststelle zu melden.