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Berlin – Deutschlands Wähler verteilen ihre Stimmen immer breiter und machen damit ein Dreierbündnis nach der nächsten Bundestagswahl wahrscheinlicher. Im aktuellen Sonntagstrend von INSA büßen die AfD (29 Prozent) und CDU/CSU (18 Prozent) im Vergleich zur Vorwoche je einen Prozentpunkt ein. Zulegen können zwei linke Parteien. Mit nur noch 18 Prozent schafft es die Union zwar knapp über ihr Allzeittief bei INSA von Anfang Oktober – damals hatten nur noch 17,5 Prozent der Befragten erklärt, die Kanzlerpartei wählen zu wollen. Der Abstand zur erstplatzierten AfD bleibt bei elf Prozentpunkten. Dahinter folgen die Grünen mit 14 (+-0) sowie die SPD mit 13 Prozent (+-0).

Der Linkspartei schaden die vielen Skandale rund um den Wahlsieg in Berlin dagegen nicht – sie kann sogar um einen Prozentpunkt auf nun elf Prozent zulegen. Einen Prozentpunkt mehr als in der Vorwoche hat auch die Wagenknecht-Partei Bündnis Soziale Gerechtigkeit und Wirtschaftliche Vernunft (BSW), die genau wie die FDP (+-0) auf vier Prozent kommt.

Fast jede sechste Stimme verschenkt

INSA-Chef Hermann Binkert (61) betont den historischen Relevanzverlust der „beiden früheren Volksparteien Union und SPD“, die „seit der Bundestagswahl 2025 fast ein Drittel an Wählerstimmen verloren“ haben. Hat es 2025 noch für eine gemeinsame Mehrheit gereicht, würden sich jetzt nur noch 31 Prozent der Bundesbürger für die Parteien von Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) und SPD-Chef Lars Klingbeil (48, SPD) entscheiden.

Zum Vergleich: Vor 50 Jahren, bei der Wahl am 3. Oktober 1976, erreichten Union und SPD zusammen 91,2 Prozent – fast dreimal so viel. Weil sich die Stimmen auf immer mehr Parteien verteilen, bleiben viele Wähler am Ende ohne Vertretung im Bundestag. Das BSW und die FDP würden aktuell mit vier Prozent knapp an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern. Heißt: Zusammen mit den sieben Prozent der „Sonstigen“ wären 15 Prozent der Wählerstimmen nicht im Bundestag vertreten.

Meinungsforscher rechnet mit Kenia

Für eine Koalitionsbildung hieße das: Mehrheiten wären „bereits mit 43 Prozent möglich“, so Binkert. Da die Union eine Zweierkoalition mit der AfD ausschließt, würde vieles für die dritte Dreierkoalition (zuletzt die „Ampel“ von 2021 bis 2024) in der bundesdeutschen Geschichte sprechen: „Eine Kenia-Koalition (CDU/CSU, Grüne, SPD) käme mit zusammen 45 Prozent auf eine parlamentarische Mehrheit und wäre derzeit die wahrscheinlichste Koalitionsoption.“