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Groningen – Die Niederlande bereiten sich auf einen möglichen Krieg mit Russland vor – und proben bereits den Ernstfall. Auf einem Truppenübungsplatz in der Provinz Groningen im Norden des Landes testet die Armee erstmals seit dem Kalten Krieg wieder ein Kriegsgefangenenlager. Im Ernstfall sollen dort bis zu 2000 feindliche Soldaten untergebracht werden. Nach Angaben des Militärs wird die Anlage benötigt, falls bei einem Konflikt mit Russland große Zahlen gegnerischer Kämpfer in Gefangenschaft geraten.

Doch die Anlage erinnert kaum an die Kriegsgefangenenlager vergangener Zeiten. Statt Wachtürmen und Suchscheinwerfern setzen die Niederländer auf moderne Überwachungstechnik. „Warum sollte ich Soldaten physisch einen Zaun bewachen lassen, wenn ein Kamerasystem das gesamte Gelände abdeckt?“, meint Generalin Nicole de Wolf gegenüber der niederländischen Zeitung AD. Mobiltelefone und andere persönliche Elektronik müssten zwar abgegeben werden, Briefe an Angehörige blieben jedoch erlaubt. Die Gefangenen „können mit einer Unterkunft rechnen, die mindestens so komfortabel ist wie die, in der unsere eigenen Truppen untergebracht sind“, so die Generalin.

Komfort für Putins Soldaten

Außerdem betont de Wolf, dass Kriegsgefangene mindestens so gute Lebensbedingungen erhalten sollen wie die eigenen Soldaten. Dahinter stehe nicht nur internationales Recht. „Was du nicht willst, dass man dir tut, das füge auch keinem anderen zu“, erklärt sie. Die Niederlande hofften, dass ihre eigenen Soldaten im Fall einer Gefangennahme ebenfalls menschenwürdig behandelt würden. Zudem seien gegnerische Soldaten eher bereit, sich zu ergeben, wenn sie wüssten, dass sie respektvoll behandelt, medizinisch versorgt und ausreichend verpflegt würden.

Festival-Bauer statt Soldaten

Im Kriegsfall soll der Aufbau der Lager allerdings nicht von Soldaten erledigt werden. Zivile Firmen, die normalerweise große Festivalgelände wie die Defqon1 errichten, werden einbezogen. Nach Angaben der beteiligten Unternehmen könnte eine Anlage für 2000 Gefangene innerhalb von nur einer Woche aufgebaut werden.