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Die EU ermittelt gegen den weltgrößten Hotelvermittler Booking.com wegen Betrugsrisiken und Phishing (BILD berichtete). Jetzt bekommt der Fall eine neue Dimension: Sicherheitsforscher von Norton haben nach eigenen Angaben weltweit 350 gehackte Unterkünfte in 50 Ländern identifiziert – darunter 49 in Deutschland. Brisant: In keinem anderen untersuchten Land waren es mehr. Norton bestätigte BILD: Betroffen sind kleine Pensionen und Ferienwohnungen, aber auch größere Hotels.

Bei den Angriffen, sogenanntem „Reservation Hijacking“ (dt.: Buchungs-Kaperung), nutzen Kriminelle echte Buchungsdaten, um täuschend echte Zahlungsaufforderungen zu verschicken. Die Opfer glauben, mit ihrem Hotel oder dem Buchungsportal zu kommunizieren – und überweisen möglicherweise Geld an Betrüger.

BILD selbst hatte die Masche aufgedeckt. Im Fokus: meist Ferienwohnungen, die über Airbnb angeboten wurden. Bislang war aber unklar, wie Täter an konkrete Buchungsdaten kamen. Denn die Daten müssen nicht zwingend direkt von Airbnb stammen. Von einem Datenleck, das die Plattform bekannt geben müsste, ist nichts bekannt.

Phishing-Gefahr: Booking.com gab Datenleck bekannt

Im April 2026 informierte Booking.com Kunden darüber, dass Unbefugte auf Buchungsinformationen bestimmter Reservierungen zugreifen konnten. Betroffen waren laut den Mitteilungen unter anderem Namen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen und Buchungsdetails. Anschließend berichteten zahlreiche Betroffene über Phishing-Nachrichten mit exakt diesen Informationen.

Wie hat Norton die 49 deutschen Unterkünfte entdeckt?

Eine Sprecherin zu BILD: „Wir haben diese Unterkünfte identifiziert, indem wir Phishing-Nachrichten und betrügerische Websites analysiert haben, die im Rahmen unserer Ermittlungen und durch unsere Sicherheitsprodukte erfasst wurden. Durch das Extrahieren, Analysieren und Abgleichen dieser Informationen konnten wir 49 verschiedene Unterkünfte in Deutschland identifizieren, die mit diesen Angriffen in Verbindung stehen.“

Wissen die Hotels, dass bei ihnen Datenlecks aufgetreten sind?

Ja, zuletzt haben mehrere deutsche Hotelbetriebe und Anbieter von Hotelsoftware Sicherheitsvorfälle öffentlich gemacht:

  • Stiftung Bahn-Sozialwerk (BSW): Im September wurde ein Angriff auf einen Hotelsoftware-Dienstleister bekannt. Laut Mitteilung waren 835.517 Reservierungen und 197.528 Kundenprofile betroffen.
  • HotelNetSolutions: Der Hotelsoftware-Anbieter bestätigte unberechtigten Zugriff auf Buchungsinformationen. Der Vorfall wurde mit gezielten Phishing-Nachrichten an Hotelgäste in Verbindung gebracht.
  • The James Hotel in Flensburg und Garden Hotel Krefeld: Beide warnten Gäste vor möglichen Risiken für Buchungsdaten im Zusammenhang mit Sicherheitsvorfällen bei ihren Software-Dienstleistern.
  • AMANO Hotels: Die Hotelgruppe meldete im Juni 2026 einen Cyberangriff, bei dem Reservierungsdaten abgeflossen waren.

Es kann aber auch sein, dass private Vermieter mit mangelhaft gesicherter IT den Angriff gar nicht mitbekommen haben oder bewusst totschweigen.

Was macht Norton mit den Erkenntnissen?

Die Sprecherin: „Angesichts des internationalen Ausmaßes der Operation kamen wir zu dem Schluss, dass der effektivste Ansatz darin bestand, unsere Erkenntnisse und Belege an Europol weiterzugeben, das über etablierte Beziehungen zu Strafverfolgungsbehörden in den betroffenen Ländern verfügt. Auf diese Weise gelangen die Informationen zu den zuständigen Behörden, die besser in der Lage sind, Ermittlungen durchzuführen und erforderliche Maßnahmen zu koordinieren.“

Gibt Norton die Namen der Unterkünfte bekannt?

Nein. Das Unternehmen: „Die Veröffentlichung ihrer Namen könnte daher zu irreführenden Schlussfolgerungen über einzelne Unternehmen führen.“