Hi, ich bin Dasha Burns, Leiterin des „Politico“-Büros im Weißen Haus. Und ich berichte seit fast zehn Jahren über Trump. Inzwischen auch für BILD.
Finnlands Präsident Alexander Stubb (58) gilt als der europäische Staatschef mit der engsten persönlichen Beziehung zu US-Präsident Donald Trump. Diese Verbindung macht ihn zu einer Schlüsselfigur, wenn es um Themen wie den Ukraine-Krieg oder die Zukunft der Nato geht. In einem Interview mit mir sprach er diese Woche über Amerikas sich wandelnde Beziehung zu Europa – und was dieser Wandel für das transatlantische Bündnis bedeutet.
Stubb balanciert dabei auf einem schmalen Grat: Er akzeptiert Trumps Außenpolitik, wie sie ist – befürwortet seinen Weg aber nicht unbedingt als richtig für den Rest Europas.
Stubb: Weltordnung der Deals scheitert
Beim Iran-Konflikt verbrachten wir viel Zeit. Stubb sieht den Konflikt als Beweis dafür, dass eine „transaktionale“, auf Deals basierende Weltordnung scheitert. Er glaubt weiterhin an Multilateralismus. Heißt: Trump priorisiere Deals, Interessen und Macht. Er selbst aber glaube weiter an internationale Institutionen, Regeln und multilaterale Zusammenarbeit.
Russland nicht im Vorteil
Beim Ukraine-Krieg weist Stubb die Vorstellung entschieden zurück, dass Russland die Oberhand habe. Er nennt die Invasion einen strategischen Fehlschlag für Russland. Tatsächlich habe die Ukraine den Konflikt gerade auf den Kopf gestellt.
Seine Einschätzung: Europa braucht die Ukraine mittlerweile mehr als die Ukraine Europa. Kiew habe jetzt mehr Verhandlungsmacht für Waffenstillstandsgespräche als zu jedem früheren Zeitpunkt des Konflikts.
USA weiter unverzichtbar für Ukraine-Frieden
Was Amerikas Rolle in den Verhandlungen angeht: Europa habe mehr übernommen, aber die USA seien weiterhin unverzichtbar für Friedensverhandlungen. Der Ansatz sollte vielleicht Trumps Vorgehen bei Gaza und Iran spiegeln, meint Stubb: Waffenstillstand erreichen, ihn bedingungslos und umfassend gestalten – und dann die Details klären, sobald alle aufhören zu schießen.
„Europäer, geht in die Sauna und nehmt ein Bad“
Die Europäer sind in Angst wegen Trumps Nato-Rhetorik. Stubb ruft sie dazu auf, ruhig zu bleiben: Das Bündnis entwickle sich bloß weiter, zu einer Nato 3.0. Sie kehre zu ihrer ursprünglichen Mission der kollektiven Verteidigung zurück, und Europa übernehme dabei einen größeren Anteil der Last.
Seine Botschaft an nervöse Europäer lautet: „Seid wie die Finnen! Geht in die Sauna, nehmt ein kaltes Bad und beruhigt euch. Wir werden das regeln.“ Er glaubt, dass die Nato heute stärker ist als je zuvor in ihrer Geschichte. Stubb ist zuversichtlich, dass die USA Finnland im Falle eines Angriffs verteidigen würden. Mit dieser Einstellung geht er optimistisch in den Nato-Gipfel in wenigen Wochen.