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„Nächstes Jahr fahr’n mer wieder daher!“

· Culture

Heinz-Rüdiger, da geh’ her!“ Mit den Schulferien, die gerade in Hessen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland angefangen haben, beginnt die Reisezeit. Alle Welt bricht auf. Daran hat sich seit Gerhard Polts Spielfilm „Man spricht deutsh“ von 1988 nichts geändert. Die Urlaubssatire seziert das halbnackte Grauen deutscher Pauschaltouristen in Italien. Kaum ein deutscher Film hat die Mentalität des westdeutschen Wohlstandsbürgers mit vergleichbarer Präzision eingefangen. Polts Figuren sind Menschen, die reisen, ohne dabei innerlich jemals irgendwohin aufzubrechen.

Die Handlung setzt am letzten Urlaubstag der Löfflers ein. Wie jedes Jahr hat es die Familie in den Sommerferien ans Meer getrieben, genauer gesagt an den fiktiven Badeort „Valcina Mare“. Erwin Löffler, unnachahmlich von Polt selbst verkörpert, macht sich noch ein letztes Mal mit Frau Irmgard und besagtem Sohnemann Heinz-Rüdiger auf zum Strand. Während das Familienoberhaupt die Strandliegen aufbaut – natürlich ausgerichtet auf den Parkplatz, um den beladenen, beigebraunen VW Passat der Familie bewachen zu können –, schreibt Irmgard schnell noch ein paar Urlaubskarten an die buckelige Verwandtschaft daheim.

Die Themen zwischen den Löfflers und den anderen „deutschen“ Strandurlaubern drehen sich dabei um die Postleitzahlen von Günzelhofen, die Reiserouten zurück nach Hause („Siena kenn’ ich, da hat mir mal die Benzinpumpe schlappgemacht“) oder um diese leidigen Italiener, die angeblich alle klauen, keine Toiletten bauen können und „glauben, den ganzen Strand gepachtet zu haben“. Kurz noch die aktuellen Staumeldungen auf „Bayern 3“ hören – eingesprochen vom jungen Günther Jauch –, dann geht es zum Mittagessen. An ihrem letzten Tag gönnt sich das Ehepaar Löffler die dann doch etwas zu exotische „Poseidonplatte“, während der pummelige Spross einen Teller „Pomm’ Fritz“ vorgesetzt bekommt.

Nur in den Tagträumen von Erwin und Irmgard scheint für einen Moment so etwas wie Aufbruch möglich. Während sich die von Gisela Schneeberger gespielte Irmgard in die Arme Dieter Hildebrandts in der Rolle als windiger Geschäftsmann träumt, fantasiert Erwin von einem Rendezvous mit der Strandschönheit Violetta. Jäh endet die Illusion: „Der hat mir das halbe Ohr angesengt, der Saukerl!“, brüllt Erwin über den Strand, nachdem der Sohnemann ihm mit einer Lupe die Sonne ins Ohr gelenkt hat.

Überhaupt Heinz-Rüdiger: Mit stoischer Selbstverständlichkeit fördert der Wonneproppen alles an zivilisatorischen Abartigkeiten zutage, was die Erwachsenen übersehen möchten: einen Haufen Kot, ein Fass Altöl, ein benutztes Präservativ und einen Schweinekopf. Während die Eltern sich ihre Sommerferienidylle zurechtlügen, hält das Schulkind ihnen die schonungslose Wirklichkeit förmlich vor Augen.

In „Man spricht deutsh“ zeigt Gerhard Polt die noch immer hochaktuelle Tragik des Verreisens: Man fährt weg – und kommt doch nie von sich selbst los. Und so ist auch Irmgards banales Resümee am Ende dieses letzten Urlaubstages nur konsequent: „Nächstes Jahr fahr’n mer wieder daher.“