Dresden/Sylt – Der edle Renner aus dem Osten macht einen Ausflug auf die Luxus-Insel des Westens! Einst brachte der Kultzug „SVT Görlitz“ gehobene DDR-Reisende im internationalen Fernverkehr unter anderem nach Prag und Wien, dann stand der Ost-ICE nach der Wende jahrzehntelang still. Jetzt ist die Bahn-Legende zurück und rollt am Wochenende von Dresden über Hamburg nach Sylt.
Baujahr 1968, bis zu 160 Sachen schnell: Dieser Ossi war schon zu DDR-Zeiten erste Klasse! Gebaut wurde der einstige Prestigezug SVT (Schnellverkehrstriebwagen) im sächsischen Görlitz, dann rollte er für mehr als 20 Jahre aufs Abstellgleis. Jetzt ging es für den alten Ost-Star erstmals auf Luxus-Kurs: nach Sylt!
Sondertrip nach Westerland
Am Freitag startete der dreitägige Sondertrip in Dresden, führte zunächst nach Hamburg und am Sonnabend über den Hindenburgdamm bis Westerland, inklusive Inselbummel und Nordseeluft.
Tickets für die Zeitreise gab es zuletzt ab 229 Euro (Tagesausflug). Die komplette Tour ab Dresden kostete 1098 Euro und war nach Angaben der Veranstalter ausgebucht.
Gastronomie mit DDR-Charme an Bord
Und sogar DDR-Reisekultur rollte mit. Heutzutage allerdings mit einer Extraportion Charme: „Während der Fahrt freut sich die SVT-Mitropa auf Ihren Besuch“, warb das Dresdner Reisebüro Maertens vorab. Die Mitropa war in der DDR für die Bewirtung in den Zügen zuständig. Ihr Service genoss einen, sagen wir mal, ganz eigenen Ruf.
Dass der rote Renner überhaupt wieder auf Reisen ist, machten private Bahn-Enthusiasten möglich. Mehr als fünf Jahre arbeiteten sie an seiner Wiederauferstehung, das kostete rund sieben Millionen Euro.
Mario Lieb vom SVT Görlitz in einem Statement: „Motoren, Getriebe, Räder, Elektrik, Innenausstattung – alles musste aufgearbeitet werden.“ Ersatzteile waren schwer zu bekommen.
So lief das Comeback des DDR-Oldies
Zurück auf der Schiene ist der Oldie schon seit Mitte Juni. Seine Comeback-Fahrt führte von Thale im Harz über Magdeburg in die neue Heimat nach Radebeul in Sachsen.
Allerdings: Kurz nach dem Comeback hatte der SVT schon wieder eine Zwangspause wegen eines Motorschadens: „Wir haben es hier mit alter Technik zu tun, da kann so etwas schon mal passieren. Jetzt sind wir aber sehr glücklich, dass der Zug wieder rollen kann“, sagte Fördervereinschef Lucas Liebscher damals dem MDR. Die Panne wurde inzwischen behoben.
Bald geht es auf Schienen an die Ostsee
Wenig später durften wieder Fans einsteigen. Die ersten Publikumsfahrten waren binnen zwei Tagen ausverkauft. Und in 14 Tagen geht es nun an die Ostsee.
Nach Sylt ist als Nächstes eine weitere beliebte Insel Teil des Sonderfahrten-Programms. Mitte November wird Usedom angesteuert.