Berlin – Die Stimmung an der CDU-Basis brodelt. Am Montag trafen sich die Kreisvorsitzenden in der Hauptstadt, führten eine ausführliche Debatte mit Kanzler und Parteichef Friedrich Merz. Das Ergebnis: Ernüchterung!
Im Podcast von Paul Ronzheimer rechnet Désirée Schrade, CDU-Kreisvorsitzende aus Frankfurt (Oder), in seltener Deutlichkeit mit der Parteiführung ab, berichtet von Frust beim großen Treffen mit dem Kanzler – und schildert ein Gespräch mit Friedrich Merz, das sie in ihrer Kritik nur bestärkt.
„Heftiger Widerstand“ gegen CDU-Generalin
Über die Reise in die Partei-Zentrale nach Berlin sagte Schrade: „Meine Lebenswirklichkeit an der Basis in Frankfurt (Oder( ist eine völlig andere, als sie aus dem Konrad-Adenauer-Haus wiedergegeben wird.“ So berichtet Schrade auch von „heftigem Widerstand“ gegen die Rede von Franziska Hoppermann. Die Kreisvorsitzenden hätten erklärt, sie seien „nicht hier, um Allgemeinplätze zu hören“.
Désirée Schrade deutlich: „Ich habe da auch den Austausch sowohl mit der Generalsekretärin als auch mit dem Parteivorsitzenden Friedrich Merz gesucht und habe jetzt nicht so richtig das Gefühl gehabt, dass die Ernsthaftigkeit der Probleme vor Ort schon gesehen wird.“
Merz’ Reaktion war „wirklich befremdlich“ und „fast so ein bisschen spöttisch“
Die Kreisvorsitzende berichtet auch von einem Gespräch bei der gestrigen Konferenz mit dem Kanzler. Sie habe ihm „die Situation vor Ort“ geschildert, dass es bei den Kommunalwahlen nicht mehr gelinge, „überhaupt noch einen Stich zu landen“. Man werde „einfach nicht mehr gewählt, wenn wir als reine CDU-Kandidaten auftreten“. Dies gelinge nur noch, wenn man sich als CDU-Kandidat von der Bundes-CDU abgrenze und andere Bündnisse suche.
Merz’ Reaktion darauf sei „wirklich befremdlich“ und „fast so ein bisschen spöttisch“ gewesen, so Schrade. Der CDU-Chef habe das „fast so ein bisschen belächelt“ und erklärt, dass er das nicht verstehe. Er erwarte, „dass man hier voll und ganz für die CDU eintritt“. Dazu sagte Schrade: „Dann habe ich gedacht: Okay, das ist ja eigentlich gar nicht das Thema – sondern, dass wir es eben nicht mehr schaffen, für die Partei zu überzeugen, auch wenn die Menschen uns persönlich gut finden und vertrauen.“
„Glühende Merz-Anhänger“ zeigten sich „enttäuscht“
Über die Stimmung bei der Kreisvorsitzendenkonferenz berichtete Schrade: „Es war schon sehr kritisch. (...) Es haben sich auch ganz viele wirkliche glühende Merz-Anhänger gemeldet, die gesagt haben, sie sind seinetwegen in die Partei eingetreten, sie haben ihn unterstützt, sie haben ihn immer gewählt – und sind enttäuscht. Weil so viel angekündigt wird, weil es kommunikativ nicht gut läuft, weil man das Gefühl hat, dass der Bezug zur Basis verloren geht.“
Viele Kreisvorsitzende hätten von einer Austrittswelle aus der CDU berichtet. Die Begründung sei in fast 100 Prozent der Fälle die Bundespolitik. Laut Schrade war einer der wichtigsten Kritikpunkte die „Rolle rückwärts“ bei der Schuldenbremse. Der ständige Verweis, dass die SPD am Reform-Stau schuld sei, wurde mit „viel Augenrollen“ quittiert. Die Behauptung, dass die Ukraine-Milliarden auf Deutschland keine Auswirkungen hätten, sei ein „Taschenspielertrick“ – die Menschen sollten „nicht für doof“ verkauft werden.
„Dann hat er fast ein bisschen herablassend darauf reagiert“
Schrades Fazit nach der langen Debatte der Basis mit der Parteiführung: „Mein Gefühl, als ich von dort weggefahren bin, war eher so ernüchtert.“ Immerhin: Zu Beginn der Debatte hatte sie das Gefühl, dass die Problemthemen „kleingehalten“ werden sollten und es „nicht so eine richtige Bereitschaft gab, das zu erkennen“. Aber Merz habe „nach fast drei Stunden schon gesagt“, dass er die Sorgen der Basis mitnehmen werde. „Es ist wirklich meine tiefe Hoffnung, dass da auch einiges noch ankommt.“
Schrade berichtete im RONZHEIMER-Podcast auch von einem weiteren kritischen Gespräch mit Merz bei der Kreisvorsitzenden-Konferenz am Montag. Der Kanzler und CDU-Chef habe kürzlich ein Institut in Frankfurt (Oder) besucht und den Kreisverband nicht darüber informiert. Die Kreisvorsitzende sagte Merz, sie habe es bedauerlich gefunden, dass ihr Parteivorsitzender ihre Region besuche, ohne der Partei auch nur einmal Bescheid zu sagen.
„Und er hat dann fast ein bisschen herablassend darauf reagiert und gesagt: Also Frau Schrade, ich kann hier keine Kreisvorsitzende mit in so ein Institut nehmen.“ Doch das habe sie gar nicht gefordert: Sie hätte sich nur gefreut, wenn der Kreisverband einen Hinweis erhalten hätte und „dass man sich vielleicht mal fünf Minuten danach oder davor nimmt, den Menschen zu zeigen: Ich sehe euch.“ Schrade: „Und ich glaube, das wird völlig unterschätzt und das finde ich einfach bedauerlich.“