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Von Rozina Sabur, James Rothwell und Joe Barnes

Nach dem Geheimdienst-GAU untersuchen ausländische Nachrichtendienste jetzt mit Hochdruck, ob geheime Informationen oder eigene Agenten enttarnt worden sein könnten. Im größten Spionageskandal der jüngeren deutschen Geschichte waren Ex-BND-Präsident August Hanning (80) und sein früherer Büroleiter Manfred D. am Dienstag festgenommen worden. Der Grund: Verdacht auf Spionage und Landesverrat!

Hanning wird vorgeworfen, sich über einen Zeitraum von Jahren mithilfe von D. illegal fast 2000 Geheimdokumente beschafft zu haben. Einen Teil der darin enthaltenen Informationen soll er ins Ausland verkauft haben. Laut „Spiegel“ nach Aserbaidschan. Da einige der hochsensiblen Daten auch Geheimdienste deutscher Partner betreffen könnten, sind diese alarmiert. Vor allem die Briten und Amis.

Das sagt ein Ex-MI6-Agent

Recherchen des „Telegraph“ (gehört wie BILD zum Axel Springer Global Reporters Network) ergaben: Unter anderem der legendäre MI6, für den auch James Bond spionierte, überprüft nun systematisch alle Informationen, die im betreffenden Zeitraum geteilt worden sind. Oberste Priorität dabei: Quellenschutz!

Matthew Dunn war früher selbst MI6‑Agent. Dem „Telegraph“ sagte er: „Es wird zweifellos gerade eine umfassende interne Sicherheitsüberprüfung stattfinden.“ Er wäre allerdings „sehr überrascht“, wenn der Fall die Beziehungen zwischen MI6 und BND beeinträchtigen würde. Denn die Deutschen galten stets als sehr vertrauenswürdige Partner. Dunn geht vielmehr davon aus, dass beide Dienste bei der Aufarbeitung der Affäre zusammenarbeiten werden.

Vielfach Verschlusssache

Hanning war im November 2005 nach sechs Jahren an der Spitze des BND aus dem Dienst ausgeschieden. Manfred D. war Hannings Büroleiter. Der 64-jährige D. (Tarnname „Augner“) soll Hanning nach Angaben der Bundesanwaltschaft insgesamt knapp 2000 Dokumente gegen Bezahlung zur Verfügung gestellt haben. Darunter vielfach als Verschlusssache eingestufte Informationen.