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Bad Schussenried (Baden-Württemberg) – Einer der traditionsreichsten Bierhersteller in Oberschwaben ist insolvent. Rund 40 Angestellte bangen um ihre Jobs.

Die Brauerei Ott in Bad Schussenried hat beim Amtsgericht Ravensburg Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Rechtsanwalt Dr. Matthäus Rösch (49) wurde als vorläufiger Insolvenzverwalter bestellt. Seine Aufgabe ist es, den Geschäftsbetrieb zu überwachen und das Vermögen zu sichern. Außerdem prüft er, ob genug Geld für das Verfahren da ist. Das Familienunternehmen aus Baden-Württemberg darf nur noch mit Zustimmung des Insolvenzverwalters Geld ausgeben.

So rutschte die Brauerei in die Pleite

Zu den konkreten Gründen, die zur finanziellen Schieflage der Brauerei geführt haben, konnte Dr. Matthäus Rösch auf BILD-Anfrage noch nichts sagen. Allgemein hält er aber fest: Der Bierkonsum sei in den letzten Jahren immer weiter zurückgegangen. Es komme deshalb zu Überkapazitäten. Zudem seien Energie- und Rohstoffpreise hoch und die allgemeine wirtschaftliche Lage schwierig.

Lohnzahlungen noch bis Ende August

Der Geschäftsbetrieb läuft laut dem Insolvenzverwalter uneingeschränkt weiter. Entlassungen gab es bisher nicht. Insolvenzverwalter Dr. Matthäus Rösch zu BILD: „Die Arbeitsverträge gelten weiter.“ Bis Ende August seien die Löhne gesichert. Die rund 40 Mitarbeiter erhalten über die Bundesagentur für Arbeit sogenanntes Insolvenzgeld. Die eigentliche Eröffnung des Verfahrens wird dann voraussichtlich Anfang September erfolgen, mit offenem Ausgang.

Was der Brauerei helfen könnte

Der Insolvenzverwalter habe mit der Geschäftsführung bereits telefoniert und vor Ort gesprochen. Der Insolvenzantrag sei sehr gut vorbereitet gewesen. Man spüre, dass „Herzblut“ mit dabei sei, so Rösch zu BILD. Und weiter: „Wir wollen gemeinsam das Unternehmen stabilisieren und erhalten.“ Möglicherweise auch mit Unterstützung eines Investors.

Die Wurzeln der Schussenrieder Brauerei reichen bis ins 18. Jahrhundert zurück. Seit 120 Jahren ist sie im Besitz der Familie Ott. Das Vertriebsgebiet umfasst die Gegenden rund um Stuttgart, Ulm und den Bodensee.

Brauereien in der Krise

Viele Brauereien haben derzeit zu kämpfen. Der Warsteiner-Konzern schließt die Herforder-Brauerei in Hiddenhausen. Auch andere große Brauereien schließen Standorte, etwa Oettinger in Braunschweig. Und auch Deutschlands erste Uni-Brauerei hat Insolvenz angemeldet.

Laut Deutschem Brauer-Bund gaben in den vergangenen sechs Jahren 137 Betriebe auf, darunter viele jahrhundertealte Brauereien. Die Pleite-Liste der Brauereien wird immer länger.