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Rümmelsheim/Großkarlbach (Rheinland-Pfalz) – Der deutsche Weinmarkt steckt in der Krise. Sinkender Weinkonsum bei gleichzeitig steigenden Kosten und hartem Wettbewerb setzen den Winzern immer stärker zu. Eine Wein-Genossenschaft aus Rheinland-Pfalz ist pleite und erklärt die Gründe.

„Wir müssen leider aufgeben und waren verpflichtet, ein Insolvenzverfahren zu beantragen“, heißt es auf der Internetseite der Habitat Weine eG aus Rümmelsheim im Landkreis Bad Kreuznach. Das Amtsgericht hatte die vorläufige Insolvenzverwaltung für die Genossenschaft bereits Ende August angeordnet. Sie wurde 2021 gegründet und zählt rund 180 Mitglieder.

Betrieb gibt komplett auf

Im Zuge des Insolvenzverfahrens hat die Genossenschaft beschlossen, den Weinbau komplett einzustellen. Hinter dem ökologischen Weinbau steht der Winzer Wolfgang Bender (38), dessen Familie seit vier Generationen aktiv ist. Die Genossenschaft sollte neue Wege gehen. Gewinne sollten nicht ausgeschüttet, sondern in den Betrieb und den Naturschutz rund um die bewirtschafteten Flächen investiert werden. Eine gute Sache also! Trotzdem die Pleite. Dafür gibt es viele Gründe.

So sinkt der Wein-Konsum in Deutschland

Der geschäftsführende Vorstand Wolfgang Bender zu BILD: „Bei einer Befragung unserer Kundschaft gaben rund 20 Prozent an, keinen Alkohol mehr zu trinken.“ Auch der wichtigste Catering-Partner der Genossenschaft habe immer weniger gekauft: „Von 150 Paletten Wein à 504 Flaschen ist die Abnahme auf 27 Paletten Wein gefallen. Bei gleicher Auslastung der Eventlocation.“

Laut Deutschem Weininstitut (DWI) tranken Menschen ab 16 Jahren im Weinwirtschaftsjahr 2024/25 nur noch 21,5 Liter Wein pro Kopf. Im Vorjahr waren es noch 22,2 Liter. Dahinter steckt laut DWI unter anderem der demografische Wandel. Gerade Jüngere greifen immer seltener zu Wein. Frank Schulz vom DWI zu BILD: „Mit neuen Kampagnen versuchen wir, die jüngere Kundschaft zu erreichen.“ Doch Wissenschaftler rechnen damit, dass der Weinkonsum insgesamt künftig sogar um die Hälfte einbrechen könnte, wenn die alten Generationen wegfallen.

Millionen Liter zu viel Wein

Gleichzeitig gibt es eine Überproduktion am Markt. „Seit 2010 wurden in Deutschland jährlich rund 450 Hektar zusätzliche Flächen für den Weinbau erschlossen. Das entspricht einem zusätzlichen Produktionspotenzial von etwa 23 Millionen Litern Wein“, rechnet Wolfgang Bender gegenüber BILD vor. Die Folge: „Durch die regelrechte Überschwemmung des Marktes mit preisgünstigen, industriell erzeugten Weinen kommen viele Menschen überhaupt nicht mehr mit wirklich außergewöhnlichen Weinen in Berührung“, so der Winzer zu BILD.

Winzer sprechen von „Rabattschlachten“. Weitere Betriebe im Weinbau geben auf. Darunter auch die 1935 gegründete Genossenschaft „Winzer von Baden“ eG mit rund 900 Mitgliedern. Selbst ein fast 900 Jahre altes Landesweingut in Sachsen-Anhalt steckt in Schwierigkeiten. Und in Rheinland-Pfalz musste das 90 Jahre alte Weingut Huf nach vier Generationen Insolvenz anmelden.

Was der Weinexperte über Weinkultur sagt

Die Kultur des Weines gehe verloren, sagt Wolfgang Bender. „Abgesehen von der Spitzengastronomie und wenigen positiven Ausnahmen finde ich als leidenschaftlicher Weinliebhaber in den meisten deutschen Restaurants kaum noch Weine, die ich wirklich gerne trinken möchte. Häufig greife ich deshalb lieber zum Bier“, so der Weinexperte. Er empfinde „schätzungsweise 90 Prozent des üblichen Weinangebots als enttäuschend“.

Zugleich wächst der Druck durch ausländische Konkurrenz. Frank Schulz vom DWI „Konkurrenten aus dem Ausland arbeiten mit viel niedrigeren Kosten für Energie und Personal.“ Hinzu komme in Deutschland der hohe Mindestlohn.

Wolfgang Bender stellt sogar die ganze Weinproduktion vor Ort wegen des Klimawandels infrage: „Um der zunehmenden Wasserknappheit und den Folgen der klimatischen Veränderungen wirksam begegnen zu können, wären erheblich größere Investitionen in die Kulturlandschaft notwendig. Ohne entsprechende Maßnahmen gibt es hier in zwanzig Jahren keinen Weinbau mehr“, sagt er zu BILD.